Iran-Krieg

Greift Trump über Ostern nach strategisch wichtigen Inseln?

Ehe Donald Trumps jüngstes Ultimatum an den Iran zur Öffnung der Straße von Hormus am Ostermontag abläuft, wägen Militärfachleute auf beiden Seiten des Atlantiks die Chancen eines amerikanischen Einsatzes von Bodentruppen am Persischen Golf ab.

Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer undatierten, von der NASA zur Verfügung gestellten, Satellitenaufnahme

Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer undatierten, von der NASA zur Verfügung gestellten, Satellitenaufnahme Foto: The Visible Earth/NASA/dpa

Als Ziel gelten sowohl das Ölterminal auf der Insel Kharg als auch iranische Küstenstreifen entlang der Meerenge sowie mehrere zwischen dem Mullah-Regime und den Vereinigten Arabischen Emiraten umstrittene Inseln. Eine von Großbritannien angeführte internationale Koalition will nächste Woche einen Plan vorlegen, wie die internationale Wasserstraße nach dem Ende des US-israelischen Kriegs wieder frei befahrbar gemacht werden kann.

Anders als zu Beginn der Kampfhandlungen, verfügt das US-Militär inzwischen über Optionen. Dazu gehören Einheiten der als besonders kampfstark geltenden Marines-Infanterie ebenso wie die etwa 2.000 Soldaten umfassende schnelle Eingreiftruppe der 82. Fallschirmjäger-Division. Die rund 2.200 Marines gehören zur 31. Expeditionseinheit (MEU) und haben eine dreiwöchige Reise auf der USS Tripoli sowie zwei Begleitschiffen hinter sich. Auf dem Weg von Kalifornien befindet sich außerdem die 11. MEU. Ein Einsatz dieser Einheiten wäre „wirklich außergewöhnlich“, glaubt der frühere britische Fregattenkapitän Tom Sharpe und weist darauf hin, dass sämtliche zur Diskussion stehenden Inseln nahe am Festland und damit im Bereich iranischer Artillerie liegen, von 100 Kilometer landeinwärts stationierten Raketenwerfern sowie noch weiter entfernten Drohnen-Spots abgesehen.

Die Eroberung der für 90 Prozent aller iranischen Öl-Exporte verantwortlichen Insel Kharg hatten bereits die Präsidenten Jimmy Carter (1977-81) sowie Ronald Reagan (1981-89) erwogen. Der damalige New Yorker Baulöwe Trump selbst nannte das Eiland britischen Presseberichten zufolge schon 1988 als mögliches Ziel. Es war das Jahr, in dem die US-Navy, unterstützt von Großbritannien und Frankreich, während des irakischen Kriegs gegen den Nachbarn Handelsschiffe durch die Meeresenge begleitete und der Lenkwaffenkreuzer USS Vincennes über Hormus versehentlich ein iranisches Zivilflugzeug mit 290 Menschen an Bord abschoss.

Rund 3.200 Schiffe stecken derzeit fest

Was würde die schwierige, wenn auch den bestens ausgebildeten US-Spezialkräften wohl mögliche Eroberung der Insel bewirken? Und wie lang könnten sich die Truppen dort halten? Dieselbe Frage stellt sich auch für die iranischen Inseln Qeschm und Larak sowie die territorial umstrittenen beiden Tunb-Inseln sowie Abu Musa. Mindestens die beiden ersteren dienen Teheran als Waffendepots und dürften zäh verteidigt werden.

Das Mullah-Regime hat seit Kriegsbeginn mindestens 22 zivile Schiffe angegriffen und dadurch die meisten Reeder und Besatzungen von der Fahrt in den oder aus dem Persischen Golf abgeschreckt. Die Meerenge von Hormus weist an der engsten Stelle eine Breite von lediglich 20 Seemeilen (38 Kilometern) auf. Beiderseits des Nadelöhrs stauen sich jüngsten Zählungen zufolge mittlerweile rund 3.200 Schiffe, darunter viele Supertanker. Dadurch stecken 20 Prozent des globalen Energiebedarfs ebenso fest wie rund ein Drittel des weltweit gehandelten Düngers.

Immer klarer schält sich heraus, dass Iran in Zukunft gern Maut kassieren möchte. Jedenfalls scheint dies in den vergangenen Wochen dutzendfach praktiziert worden zu sein. Den Berichten mehrerer maritimer Analysten, darunter der Datenfirma Lloyds List Intelligence (LLI), zufolge haben im März mindestens 181 Schiffe die Meerenge erfolgreich durchfahren; hinzu kommen sogenannte „dunkle Transits“, bei denen die Kapitäne ihr Ortungssystem abschalten. Von den bekanntermaßen erfolgten Durchfahrten waren dem Autoren Shanaka Anslem Perera zufolge etwa 70 Prozent Schiffe mit Verbindung zum Iran. Der Rest fuhr unter der Flagge von Staaten, die sich im derzeitigen Konflikt neutral verhalten. Die meisten von ihnen wurden abkassiert.

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Gezahlt wird in chinesischen Yuan

Die LLI-Analystin Bridget Diakun wies schon vor Wochen darauf hin, dass viele Schiffe von der normalen Route abweichen. Stattdessen manövrieren sie im fünf Seemeilen (9,25 Kilometer) breiten Korridor zwischen den iranischen Inseln Larak und Qeschm. Dadurch haben die iranischen Revolutionsgarden vor Ort Gelegenheit, die Angaben von Reederei und Besatzung zu überprüfen.

Indien, Malaysia und Pakistan haben offenbar auf diplomatischem Weg kostenlose Durchfahrt für ihre Schiffe erwirkt. Um die Sicherheit ihrer Ladung im Wert zwei- oder gar dreistelliger Millionensummen zu gewährleisten, entrichten hingegen manche Reeder Zahlungen von umgerechnet bis zu zwei Millionen Dollar an den Iran. Bezahlt wird nicht in der US-Währung, sondern in chinesischen Yuan. Damit umgehen die Reeder und ihre Erpresser das vom Westen dominierte Swift-Zahlungssystem.

Am Gründonnerstag wies Diakun auf das Bewegungsprofil zweier Supertanker sowie eines Flüssiggas-Transporters hin. Alle drei stehen unter omanischer Flagge und fahren offenbar „ungewöhnlich nahe“ an der omanischen Küste entlang. Der Iran gegenüberliegende Sporn der Arabischen Halbinsel gehört territorial zu Oman. Sollte die Passage gelingen, wäre dies die erste Gelegenheit, bei der ordnungsgemäß mit funktionierendem Ortungssystem verkehrende Schiffe nicht durch das iranische Nadelöhr reisen.

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