Deutsche Osteseeküste
Gestrandeter Buckelwal vor der Insel Poel nahe Wismar schwach und verletzt
Fachleute untersuchen das Wasser vor der Insel Poel, um mehr über den Zustand des gestrandeten Buckelwals zu erfahren. Welche Rolle spielt der Salzgehalt für das Tier?
Der gestrandete Buckelwal liegt seit Dienstag noch immer vor der Insel Poel nahe der Stadt Wismar Foto: Marcus Golejewski/dpa
Das Drama um den Buckelwal vor der deutschen Ostseeküste hält an: Seit Dienstag liegt der Meeressäuger vor der Insel Poel nahe der Stadt Wismar – schwach und offenbar von Schiffsschrauben verletzt.
Um seinen Gesundheitszustand besser einschätzen zu können, sollen nun Wasserproben untersucht werden. Er habe angewiesen, das Wasser vor Ort auf seinen Salzgehalt zu überprüfen, erklärte Till Backhaus, der Umweltminister des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, am Ostersonntag. „Wir wissen, dass das wenig salzhaltige Wasser dem Tier bereits schwer geschadet hat. Wir brauchen aber verlässliche Daten und die wollen wir heute gewinnen.“
Dem etwa 1,70 Meter hohen, 12 Meter langen und etwa 12 Tonnen schweren Tier geht es demnach sehr schlecht. „Er hat auch Verletzungen“, hatte Backhaus am Karsamstag gesagt. Ursache seien mutmaßlich Schiffsschrauben. Zudem gebe es Abdrücke, wahrscheinlich von einem Netz. Backhaus schloss aus, dass das Tier getötet werde. „Das wird hier nicht stattfinden. Wir können ihn nicht einfach erlösen durch was auch immer.“
Der Buckelwal hatte sich seit Anfang März viermal vor der deutschen Ostseeküste festgesetzt. Dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Den Weg zum Atlantik, was seine wahrscheinliche Rettung bedeutet hätte, fand er nicht. Zunächst war der Meeressäuger im Hafen von Wismar gesichtet worden, später am Timmendorfer Strand im Land Schleswig-Holstein. Letztendlich war er am Dienstag vor Wismar gestrandet.
Backhaus kündigte an, sich auch am Ostersonntag vor Ort über die Lage zu informieren. Der Minister war auch in den vergangenen Tagen immer wieder bei dem Wal gewesen. Am Mittwoch waren alle Rettungsversuche eingestellt worden. Nach Einschätzung von Fachleuten wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Wie lange der Wal noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen.
Betreuung des Wals läuft weiter
Am Ostersonntag lebte der Wal noch. Die Situation sei unverändert, berichtete ein Sprecher des Umweltministeriums. Auch die Betreuung des Meeressäugers laufe wie geplant weiter. Der Wal wird rund um die Uhr beobachtet und regelmäßig durch Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Wasser benetzt. „Die Positionierung der Wassersprenger muss aufgrund des Wetters gegebenenfalls angepasst werden“, sagte der Sprecher. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete am Sonntag mit starken Windböen an der Ostseeküste.
Wie lange der Überlebenskampf des Wals noch dauert, ist unklar. „Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt“, erläuterte die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) der Deutschen Presse-Agentur. Langfristig werde dies zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen führen. Jüngsten Angaben zufolge hat sich der Wal rund 50 Zentimeter in den Ostseeboden eingegraben.
Tod zeigt sich durch über eine Stunde fehlende Atmung
„Wenn der Buckelwal gestorben ist, wird sich dies durch völlige Regungslosigkeit sowie insbesondere eine fehlende Atmung über einen längeren Zeitraum von etwa einer Stunde bemerkbar machen“, erläuterte die Expertin. Dass der Wal gestorben ist, werde sich zudem wenige Tage später durch Gase zeigen, die den Walkadaver aufblähen und für Verwesungsgerüche sorgen.