Serbien
Früherer bosnisch-serbischer Armeechef Ratko Mladic stirbt mit 84 Jahren
Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist nach serbischen Medienberichten im Alter von 84 Jahren gestorben. Er verbüßte eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords und Kriegsverbrechen.
Ratko Mladic am 8. Juni 2021 auf der Anklagebank im Internationalen Restmechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT) in Den Haag Jerry Lampen/ANP/AFP
Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist nach Informationen serbischer Medien tot. Der wegen Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGH) zu lebenslanger Haft verurteilte Mladic starb im Alter von 84 Jahren, wie der serbische Staatssender RTS am Donnerstag berichtete. Zuvor habe Mladic mehrere Schlaganfälle erlitten.
Haager Gericht lehnte Verlegung ab
Das Den Haager Tribunal für das ehemalige Jugoslawien hat den Tod des früheren bosnischen Serbenführers Ratko Mladic bestätigt. Mladic sei am Donnerstag in einem Krankenhaus in der niederländischen Stadt gestorben, erklärte der Internationale Residualmechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), der die Aufgaben des früheren Kriegsverbrechertribunals wahrnimmt. Richterin Graciela Gatti Santana ordnete demnach eine Untersuchung der Todesumstände an.
Serbische Behörden und Mladics Familie hatten sich zuletzt für seine Verlegung in ein serbisches Militärkrankenhaus eingesetzt. Das Haager Gericht lehnte das aber ab. Mladics Sohn Darko Mladic hatte deshalb in der vergangenen Woche von einem „stillen Mord an meinem Vater“ gesprochen.
Verantwortung für Srebrenica
Mladic war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. 2017 wurde er dann wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-1995) zu lebenslanger Haft verurteilt. In dem Krieg wurden fast 100.000 Menschen getötet. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.
Unter anderem wurde seine Hauptverantwortung für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 festgestellt, bei dem rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden. Damals hatten Mladics Truppen die damalige UN-Schutzzone Srebrenica gestürmt und dort Gräueltaten angerichtet. Die Taten gelten als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch hat Mladic in Serbien bis heute Verehrer.