Albanien
„Flamingo-Revolution“ gegen Luxusresort mutiert zum Aufstand gegen Politikerkaste
Albanien kommt nicht zur Ruhe. Längst sind die seit zwei Wochen anhaltenden „Flamingo-Proteste“ gegen ein kontroverses Luxusresort im Naturschutzgebiet zu einem Aufstand gegen die als korrupt kritisierte Politikerkaste mutiert: Der allgewaltige Premier Edi Rama gerät zunehmend unter Rechtfertigungszwang.
Protestplakate und Flamingos bei der abendlichen Demonstration in Tirana Foto: AFP/Adnan Beci
Dumpf dröhnen die Trommeln in der Abenddämmerung. Rote Landesflaggen und rosa Pappflamingos an Holzstäben wogen über der ausgelassenen Menge, die in Albaniens Hauptstadt Tirana vor dem Regierungssitz schon seit knapp zwei Wochen den Aufstand gegen die als selbstherrlich und korrupt kritisierte Politikerkaste probt.
Blinkend schweben Video-Drohnen über die Köpfe der Demonstranten. Kinder malen auf langen, auf dem Asphalt des „Bulevardi Gjergj’Fishta“ ausgebreiteten Papierrollen geschwungene Flamingo-Hälse und Schnäbel. Unablässig fordern rhythmische Sprechchöre den Abtritt von Premier Edi Rama oder gar seine Verhaftung – gemeinsam mit dem als ebenso korrupt gegeißelten Oppositionschef Sali Berisha: „Rama und Berisha – ab in den Knast!“