Dr. Armand Clesse
„Falsche Prioritäten“ und Blockbildung in Europa: Luxemburger Politologe über den Ukraine-Krieg
Schweden und Finnland sollen in die NATO aufgenommen werden und die Ukraine ist seit kurzem offizieller Beitrittskandidat für die Europäische Union. Russlands Krieg in der Ukraine hat ordentlich Bewegung in mehrere internationale Zusammenschlüsse gebracht. Wir haben den Luxemburger Politologen Dr. Armand Clesse zu der aktuellen Entwicklung befragt.
„Die Freiheit ist überall im Westen auf dem Rückzug, in allen Bereichen, und das scheint ganz wenige zu stören“ Archivfoto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
„Europa schneidet sich ab.“ Unter anderem so bezeichnet Dr. Armand Clesse die derzeitigen Vorgänge rund um den Ukraine-Krieg. Der einstige Direktor des Luxembourg Institute for European and International Studies (LIEIS) klingt im Gespräch mit dem Tageblatt am Mittwoch nicht sehr optimistisch, was die Prognosen für die kommenden Jahre angeht. Sogar Unruhen hält er in der EU für möglich, weil sich die sozioökonomische Lage in den europäischen Ländern in Folge des Krieges seiner Ansicht nach weiter verschlechtern werde. „Das ist bitter für die kommenden Generationen, und das wird vieles verändern – in Europa, aber auch, was die Weltordnung anbelangt“, so der Politologe.