Russland

Exhumierung von ukrainischem Nationalisten: Moskau bestellt Luxemburgs Botschafter ein

Russland hat den luxemburgischen Botschafter in Moskau einbestellt. Auslöser war die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste von Andrij Melnyk in die Ukraine.

Exhumierung einer Grabstätte in Luxemburg mit Genehmigung der Gemeinde für behördliche Umweltmaßnahmen

Die Exhumierung wurde von der Gemeinde Luxemburg genehmigt Archiv-Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Das russische Außenministerium hat am Donnerstag den luxemburgischen Botschafter in Moskau einbestellt, nachdem in Luxemburg der Leichnam des 1964 gestorbenen ukrainischen Nationalisten und Sowjet-Gegners Andrij Melnyk für eine ehrenvolle Beisetzung nahe Kiew exhumiert worden war.

Melnyk sei ein führendes Mitglied der mit den Nationalsozialisten kollaborierenden Organisation Ukrainischer Nationalisten gewesen, einer Gruppierung die in Russland als „extremistisch“ eingestuft sei, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Melnyks sterbliche Überreste waren nach russischen Angaben am 19. Mai exhumiert worden. Am Montag wurden sie in der Ukraine beigesetzt - im Rahmen eines Projekts, mit dem Menschen geehrt werden sollen, die sich um die Ukraine verdient gemacht haben. Präsident Wolodymyr Selenskyj, der aus einer jüdischen Familie stammt, nahm an der Zeremonie teil.

Nationalisten kämpften in SS-Verbänden

Die Organisation Ukrainischer Nationalisten kämpfte für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion. Gleichzeitig kämpften Mitglieder der Gruppierung während der Nazi-Herrschaft in SS-Verbänden. Sie waren damals an der Deportation und Ermordung von Juden sowie polnischer Zivilisten im Nordwesten des heutigen ukrainischen Staatsgebiets beteiligt. Melnyk starb in Köln und wurde dann in Luxemburg beigesetzt.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, warf Kiew mit Blick auf die Umbettung von Melnyks sterblichen Überresten vor, einen „faschistischen Kollaborateur“ mit Ehren beigesetzt zu haben. Moskau begründet den laufenden Militäreinsatz in der benachbarten Ukraine unter anderem mit der Absicht, das Land „demilitarisieren“ und „entnazifizieren“ zu wollen. (AFP)

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