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Eine schrecklich rechte Familie: Die braune Traditionspflege im Dunstkreis der FPÖ

Eine rechtsextreme Dynastie mit starken FPÖ-Bezügen steht im dringenden Verdacht, zentraler Akteur eines neonazistischen Netzwerkes zu sein.

FPÖ-Chef Herbert Kickl im Porträt vor Österreich-Flagge, kontrovers wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung eines Parteimitglieds

FPÖ-Parteichef Herbert Kickl hat Ärger wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung eines FPÖ-Amtsträgers Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa

Traditionspflege wird großgeschrieben in Langenlois. Die 7.500-Einwohner-Gemeinde im niederösterreichischen Kamptal ist Zentrum eines Weinbaugebietes, das gerade bei den Olympischen Winterspielen auftrumpft. Im „Austria House“ in Cortina kredenzt man den intermationalen Gästen Langenloiser Weine.

Braune Traditionspflege

Auch im Forsthaus bei der Burgruine Kronsegg am Ortsrand von Langenlois pflegte man alte Traditionen, wenn auch nicht die der Winzer. Hier fanden Ermittler des Verfassungschutzes bei einer Hausdurchsuchung zahlreiche NS-Devotionalien. Insgeamt 58 „kritische Objekte“ waren dort im November 2024 sichergestellt worden. Im Wohnzimmer standen Bücher wie „Die Waffen-SS an der Ostfront“, „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, „Aufbruch ins Reich“ sowie eine Adolf-Hitler-Büste, ein Porträt von Heinrich Himmler sowie zwei Dolche, einer mit der Aufschrift „Meine Ehre heißt Treue“, der andere mit Hakenkreuz. Neben einer Zeichnung mit Judenstern und der Aufschrift „Judenvernichtung“ standen zwei Spielzeug-Lkws. Einer davon mit der Aufschrift „Auschwitz-Birkenau-Express“, der andere trug den Schriftzug „Weltweit über 6 Millionen zufriedene Kunden“.

Braune Todesanzeige

Im März wird sich der zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung an dieser Adresse gemeldete Langenloiser FPÖ-Stadtrat René Schimanek, für den die Unschuldsvermutung gilt, vor dem Landesgericht in Krems wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verantworten müssen. Aber nicht wegen des Nazi-Museums im der Gemeinde Langenlois gehörenden Forsthaus. Die braunen Sammlerstücke konnten dem Stadtrat nicht zweifelsfrei zugeordnet werden, weil auch andere Personen Zutritt zu dem Haus hatten. Schimanek muss sich daher „nur“ verantworten wegen einer Todesanzeige für seinen im Dezember 2024 verstorbenen Vater Hans-Jörg Schimanek senior, dem ehemaligen FPÖ-Landesvorsitzenden. Auf dieser war der Spruch „... und ewig lebt der Toten Tatenruhm“ und das ebenfalls in der NS-Zeit verwendete Irminsul-Symbol abgedruckt. Dieses verwendete die am Kunstraub der Nationalsozialisten und an Menschenversuche in Konzentrationslagern beteiligt gewesene SS-Pseudo-Forschungseinrichtung „Deutsches Ahnenerbe“.

Unschuldig ...

René Schimanek klebt nichtsdestotrotz fest an seinem Stadratssessel. Büroleiter des freiheitlichen Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz ist er aber nicht mehr. Der von jüdischen Institutionen boykottierte Parlamentschef wollte die Trennung von Schimanek aber nicht als Schuldeingeständnis gewertet wissen. Der protokollarisch nach dem Bundespräsidenten ranghöchste Politiker Österreichs, dessen Partei es in der politischen Auseinandersetzung ansonsten bei Anschuldigungen nicht so genau nimmt, legt Wert auf die Unschuldsvermutung, welche bis zu einer Verurteilung zu gelten hat.

Bruder verurteilt

Renés großer Bruder Hans-Jörg Schimanek jun. (62) ist die zu vermutende Unschuld diese Woche schon fast abhanden gekommen. Vor einem Wiener Geschworenengericht wurde er am Montag wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu 18 Monaten Haft bedingt verurteilt. Auch in diesem Fall ging es um Traditionspflege. Schimanek erzählte dem Gericht von seinem bloß „historischen Interesse“ und seiner keinesfalls Nazi-Sympathien ausdrückenden Sammelleidenschaft. Dies hatte dazu geführt, dass er die Wände in seiner Wiener Gemeindewohung mit Bildern von SS-Soldaten bemalen ließ. Dort hing auch ein handsigniertes Porträt des 2007 verstorbenen Hitler-Adjutanten Heinrich Springer. Irgendjemand, den Schimanek nicht nennen wollte, hatte ihm einen gerahmten Geburtstagsgruß mit Reichsadler geschenkt, auf dem der Politikerspross als „Führer“ und „Reichsgauleiter“ bezeichnet wird. Weil sich der Staatsanwalt zu dem Urteil noch nicht geäußert hat, ist dieses noch nicht rechtskräftig. Auch die alten Geschichten, wie die Wehrsportübungen in Langenlois und seine Tätigkeit als niederösterreichischer Gaubeauftragter der neonazistischen Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition (VAPO), für die Schimanek 1995 zu acht Jahren Haft verurteilt worden war, tun seinem Status als unbescholtener Bürger keinen Abbruch mehr. Die Strafen sind getilgt.

Waffenlager

Neuerlich in die Bredouille kamen die rechten Brüder allerdings nicht wegen des Ermittlungsdrucks heimischer Behörden. Das haben die beiden Hans-Jörgs Söhnen Jörg und Jörn zu verdanken. Die stehen gerade in Dresden zusammen mit sechs weiteren Angeklagten, darunter drei ehemalige AfD-Aktivisten, vor Gericht. Sie sollen zentrale Figuren der „Sächsischen Separatisten“ sein, die seit dem Jahr 2020 Pläne für einen gewalttätigen Umsturz gewälzt haben sollen. Bei den Ermittlungen in Deutschland geriet auch das von den Schimaneks gemietete Langenloiser Forsthaus ins Visier. Es soll als Rückzugsort der mutmaßlichen Putschisten vorgesehen gewesen sein. Tatsächlich hatten die Ermittler dort nicht nur die NS-Devotionalien gefunden, sondern auch ein Waffenlager samt 30 Kilo Munition.

Kickl schweigt

Der Langenloiser Stadtrat steht dennoch nicht unter Rücktrittsdruck seiner Partei. FPÖ-Chef Herbert Kickl ignorierte die Aufforderung von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim, „René Schimanek aus der FPÖ auszuschließen und auch dafür zu sorgen, dass Schimanek seinen Posten als FPÖ-Stadtrat in Langenlois räumt“.

In dem Winzerdorf fragt die Initiative „Dialog und Demokratie“ unabhängig von der strafrechtlichen Relevanz, ob ein Politiker, „in dessen Haus derartig viel NS-Memorabilia, Waffen und Munition gefunden werden, eine Belastung für die Gemeinde ist“. Schimanek solle Anstand zeigen und umgehend seinen Stadtratssessel räumen. Er tut es nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Noch.

2 Kommentare
JJ 15.02.202614:05 Uhr

Braunau liegt nicht weit weg. Dort wurde Deutschlands berühmtester Österreicher geboren. "Nazi " ist wieder salonfähig. Weltweit.

Guy Mathey 15.02.202612:56 Uhr

In Österreich, dem Geburtsland Adolf Hitlers, und darf man sich nichts vormachen, ist auch heute noch der braune Geist längst nicht verflogen, ganz im Gegenteil, er blüht derzeit wieder besonders stark auf. Die FPÖ (offiziell: Freiheitliche Partei Österreichs; richtig jedoch: Faschistische Partei Österreichs) ist heute bereits stärkste Kraft in der Alpenrepublik. Von dem Faschisten Herbert Kickl, (Möchtegern "Volkskanzler") wird sich doch niemand ernsthaft erwarten, dass er sich von anderen Faschisten distanziert.
Hoch problematisch, dass diese menschenfeindliche, faschistische FPÖ heute als normale Partei eines demokratischen Systems betrachtet wird, das war übrigens nicht immer so, man erinnere sich an die Zeiten, wo der ehemalige UN-Generalsekretär und Faschist Kurt Waldheim Bundespräsident war, respektive an die Zeit bevor eine Mauer in das Leben des populären faschistischen Politikers Jörg Haider trat.

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