Norwegen

Angriffsziel Skandinavien: Wie lässt sich Russland abschrecken?

Droht Norwegen eine Invasion Russlands? Eirik Kristoffersen, der oberste Militär des skandinavischen NATO-Landes, warnte diese Woche vor einem solchen Szenario.

Britische Soldaten bei Militärmanöver in Norwegen, Verstärkung wegen russischer Bedrohung, Truppen verdoppeln sich auf 2.000

Britische Soldaten bei einem Manöver in Norwegen: Diese Woche wurde bekannt, dass Großbritannien angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Russland die Anzahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten von derzeit 1.000 auf 2.000 verdoppeln wird Foto: UK MOD Crown copyright

„Wir schließen eine Gebietsaneignung durch Russland als Teil ihres Plans zum Schutz ihrer eigenen nuklearen Fähigkeiten nicht aus, denn das ist das Einzige, was ihnen noch bleibt und die Vereinigten Staaten tatsächlich bedroht“, sagte der Norweger gegenüber der britischen Zeitung The Guardian.

Der General weist auf die Kola-Halbinsel mit der Garnisonsstadt Murmansk hin, rund hundert Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Dort summieren sich U-Boote und Flugzeuge mit Atombewaffnung sowie nuklear bestückte Raketen der Russischen Föderation. Mit diesem Arsenal könnte ein möglicher nuklearer Zweitschlag gegen die USA gestartet werden.

Kristoffersen empfiehlt, eine „Hotline“ zwischen Oslo und Moskau einzurichten, um ein Kriegsszenario auf dem diplomatischen Weg zu vermeiden. Eine Anspielung darauf, dass sein Land lange ein dialogorientiertes Verhältnis zum Nachbarn im Osten pflegte. Norwegen ist NATO-Mitglied der ersten Stunde und hat nördlich des Polarkreises eine direkte Grenze mit Russland.

Diese besondere Beziehung besteht auch aus historischen Gründen. Denn die Rote Armee drängte zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Norden die deutschen Besatzer zurück. Als Entgegenkommen verzichtete Oslo auf die Stationierung von NATO-Truppen auf seinem Territorium.

Doch seit der Invasion Russlands in der Ukraine wird das skandinavische Land von der Führung im Kreml klar als Feind wahrgenommen, da sich die norwegische Regierung stark mit Waffen, Geldern und Worten für die Ukraine einsetzt und mehrere russische Diplomaten ausgewiesen hat.

Dies hat Folgen: Es gab Cyberattacken auf das norwegische Internetsystem, der norwegische Inlandsgeheimdienst PST warnt aktuell davor, dass russische Dienste ukrainische Flüchtlinge in Norwegen anwerben. Darum rüstet das wirtschaftlich potente Norwegen massiv auf. Für die Jahre 2024 bis 2036 sind umgerechnet 52 Milliarden Euro Ausgaben für den Verteidigungssektor geplant, die hauseigenen Waffenschmieden sollen massiv gefördert werden.

Diskussion über nukleare Bewaffnung

Eirik Kristoffersen, der mit seinem Bruder Frode ein Buch über die norwegische Wehrfähigkeit geschrieben hat, glaubt jedoch, dass vor allem der Widerstandswillen der Norwegerinnen und Norweger die größte Waffe des Landes sei – nach Umfragen wollen neun von zehn Bewohner des Landes aktiv ihr Territorium verteidigen. Das schreckt Russland ab, glaubt der General. Doch ob dies zutrifft?

Sicher ist, die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegen Dänemark in der Grönland-Frage haben die skandinavischen Länder verunsichert und wie allen Staaten in Europa vor Augen geführt, dass die USA kein verlässlicher Partner mehr sind.

Und seit vergangener Woche scheint die Welt noch unsicherer zu sein: Seitdem gilt „New Start“ nicht mehr, der nukleare Abrüstungsvertrag zwischen Washington und Moskau. Allein die NATO-Mitglieder Großbritannien und Frankreich verfügen über ein nukleares Waffenarsenal. In den skandinavischen Ländern, mittlerweile allesamt NATO-Mitglieder, wird über die Möglichkeit einer skandinavischen nuklearen Bewaffnung diskutiert. Solche Vorschläge werden in Norwegen sowohl vom Militär als auch der Politik aufgebracht. Das Thema wird in dänischen und finnischen Medien besprochen, was Atomkraftgegner in Europas Norden beunruhigt.

In Schweden ist die Situation eine besondere – das Land hatte ein Atomwaffenprogramm, das erst 1972 beendet wurde. Darum gibt es dort Stimmen, dieses wieder aufzunehmen. Dahinter stehen etwa die auflagenstarke linksliberale Zeitung Dagens Nyheter sowie die rechten Schwedendemokraten.

Der bürgerliche schwedische Verteidigungsminister Pal Jonson verweist wie viele andere Politiker allerdings auf den Atomwaffensperrvertrag, dem Schweden 1968 beigetreten ist. Der erlaubt es nicht, dass sich das Land Atomwaffen beschafft.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 15.02.202615:16 Uhr

In Anbetracht der Lage sollten unsere skandinavischen Freunde nicht zögern und sich so schnell wie möglich Atomwaffen aneignen, denn auf die Trump-USA ist kein Verlass mehr. Schweden könnte am schnellsten sich atomar aufrüsten und mit Hilfe der anderen Skandinavier Atomwaffen entwickeln, das würde die Eroberungsgelüste von Russland soweit wie vorhanden dann etwas dämpfen, besonders ist natürlich Norwegen betroffen und Finnland wegen der gemeinsamen Grenzen.

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