Mehr als 130 Tote
Ebola-Epidemie im Kongo weitet sich aus
Der weltweit Besorgnis auslösende Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat bislang mehr als 130 Todesopfer gefordert. Die WHO rechnet nicht mit einem Ende der Epidemie binnen zwei Monaten.
Foto: Str/XinHua/dpa
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba informierte in der Nacht zum Dienstag über einen deutlichen Anstieg der Opferzahl. Mittlerweile starben in seinem Land demnach 131 der insgesamt 513 Verdachtsfälle an dem Virus. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich besorgt über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Ausbreitung. Die WHO berief für Dienstag eine Krisensitzung ein.
Laut der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich bei einem US-Patienten, der zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden soll, um ihren Arzt Peter Stafford, der mit seiner Ehefrau – ebenfalls eine Ärztin – und drei Kindern in der Demokratischen Republik Kongo lebte. Serge dankte für „die internationale Zusammenarbeit bei der sicheren Versorgung“ der Familie sowie eines weiteren Arztes, Patrick LaRochelle, der Ebola-Patienten behandelt hatte.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag erklärt, dass sich ein US-Bürger „im Rahmen seiner Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo“ mit dem Ebola-Virus infiziert habe. Er habe im Laufe des Wochenendes Symptome entwickelt und sei am Sonntagabend positiv auf das Virus getestet worden.
Das US-Außenministerium sprach eine Reisewarnung für die DR Kongo, Uganda sowie für den Südsudan aus. Das Ministerium empfahl zudem, Reisen nach Ruanda zu überdenken.
Die WHO hat wegen der Epidemie am Wochenende eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen – ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union rief am Montagabend wegen des „hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung“ für den gesamten Kontinent den Notstand aus.
Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der DR Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Auch aus der Nachbarprovinz Nord-Kivu wurden Verdachtsfälle gemeldet.
Die WHO-Repräsentantin im Kongo, Anne Ancia, mahnte: „Ich glaube nicht, dass diese Epidemie in zwei Monaten vorbei sein wird.“ Sie erinnerte daran, dass die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo 2018 bis 2020 zwei Jahre gedauert habe. Damals hatte es fast 2.300 Todesopfer gegeben.
Schwierigkeit bei Bekämpfung der Epidemie
Das Ausmaß der aktuellen Epidemie werde abhängen „von der Schnelligkeit unserer Reaktion, unserer Fähigkeit, schnell die Übertragung zu stoppen“, betonte Ancia, die aus der kongolesischen Stadt Bunia zugeschaltet vor Journalisten in Genf sprach. Mehrere Tonnen Hilfsgüter wie Ebola-Tests und Schutzausrüstung seien in die betroffenen Gebiete unterwegs. Zudem prüft die WHO laut Ancia auf internationaler Ebene, ob existierende Impfstoffe oder Medikamente bei der Eindämmung dieses Ausbruchs „von Nutzen sein könnten“.
Die gegenwärtige Ebola-Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate dieser Variante liegt bei 30 bis 50 Prozent.
Eine weitere Schwierigkeit bei der Bekämpfung der Epidemie liegt darin, dass es an schwer zugänglichen Orten Infektionen gibt sowie in Gebieten, in denen bewaffnete Gruppen aktiv sind. François Moreillon vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen und -einsätze nicht zu behindern. Seine Organisation setzte ihr höchstes Interventionslevel in Kraft und will in den kommenden Tagen Schutzausrüstung in die betroffenen Gebiete bringen.
„Wir sind angesichts der Situation äußerst besorgt, da der humanitäre Bedarf bereits jetzt enorm ist“, erklärte Julie Drouet, Landesdirektorin der Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger in der DR Kongo. Angesichts internationalen Kürzungen bei humanitärer Hilfe forderte sie, das besonders gefährdete Gesundheitspersonal sowie die Bevölkerung dürften „in einer solchen Krise nicht im Stich gelassen werden“.
