Energieversorgung
EU-Staaten weiterhin hochgradig von Importen fossiler Brennstoffe abhängig
In der aktuellen Energiekrise sind die ökonomischen Vorteile des Abschieds von fossilen Brennstoffen wieder in den Fokus gerückt. Die Energieversorgung der Europäischen Union ist aber weiterhin in hohem Maße von Gas- und Ölimporten aus Nicht-EU-Ländern geprägt.
Vor allem im Transportsektor sind die Europäer auf Öl angewiesen Foto: Philippe Lopez/AFP
Im Jahr 2024 lag die Importabhängigkeitsquote der EU nach Angaben des Statistikamts Eurostat bei 57 Prozent, die eigene Produktion deckte nur 43 Prozent des Bedarfs. Zugleich waren fast die gesamten Energieimporte fossile Brennstoffe, vor allem Öl und Gas.
Bei der eigenen Energieproduktion dominieren in der EU mittlerweile die erneuerbaren Quellen. 2024 standen sie für 48,1 Prozent der Produktion, gefolgt von der Atomkraft mit 28,2 Prozent und sogenannten festen Brennstoffen – in erster Linie Kohle – mit 15,2 Prozent. Auf der Verbrauchseite standen die Erneuerbaren dennoch nur für rund 25 Prozent.
Zwei Drittel der Energieimporte entfielen 2024 auf Erdöl und Erdölprodukte. Damit war Öl mit 37 Prozent der am meisten verbrauchte Energieträger in der EU, insbesondere im Transportsektor. Erdgas machte 24 Prozent der Importe und 21 Prozent des Verbrauchs aus. Kohleimporte spielten mit vier Prozent eine untergeordnete Rolle im Importmix, genau wie Energie aus erneuerbaren Quellen.
Lieferquellen diversifizieren
Die EU hat ihre Lieferquellen inzwischen immerhin diversifiziert. Beim Erdöl waren die USA 2024 der wichtigste Lieferant, standen aber dennoch nur für 16 Prozent der Importe. Norwegen lieferte zwölf, Kasachstan neun und Saudi-Arabien acht Prozent.
Bei Erdgas ist Norwegen mit 30 Prozent der wichtigste Partner, gefolgt von den USA (17 Prozent). Algerien und Russland lieferten jeweils 14 Prozent der Nettoimporte. Importierte Kohle kam vor allem aus Australien und aus den USA.
Die Reduzierung der Importabhängigkeit im Energiebereich ist ein erklärtes politisches Ziel der EU und ihrer Mitgliedstaaten und es gibt durchaus Fortschritte. So ist der Anteil der Erneuerbaren in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch ist der Primärenergieverbrauch in der EU rückläufig. Dennoch besteht eine strukturelle Abhängigkeit von fossilen Importen, insbesondere durch den Erdölbedarf des Verkehrssektors und den Erdgasbedarf von Industrie und Haushalten.
Wege aus der Energiekrise
Die EU-Kommission will am Mittwoch ihre Vorschläge für Wege aus der Energiekrise vorlegen. Dabei dürfte es vor allem um eine bessere Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten sowie die Abkehr von Öl und Gas gehen. Energiekommissar Apostolos Tzitzikostas kündigte am Dienstag bereits ein Gremium an, das die Versorgung und die Vorräte an Treibstoffen in den 27 EU-Staaten überwachen soll.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind die Öl- und Gaspreise deutlich gestiegen. Die für den weltweiten Ölhandel strategisch wichtige Straße von Hormus ist nach wie vor weitestgehend blockiert. Zahlreiche EU-Länder haben deshalb bereits Erleichterungen für Verbraucher und Unternehmen beschlossen. (AFP)