Chemikalien in Kosmetik
EU-Parlament stimmt für gelockerte Regeln
Das Europaparlament will die Regeln für Schadstoffe in Lippenstift, Sonnencreme und Co. lockern.
Abstimmungsrunde im Europäischen Parlament Foto: Sébastien Bozon/AFP
Die Abgeordneten stimmten am Mittwoch in Straßburg für einen Vorschlag der EU-Kommission, nach dem Kosmetika künftig nicht mehr die gleichen Standards erfüllen müssen wie Lebensmittel. Die Änderungen sind Teil eines Vereinfachungspaketes für die Chemieindustrie.
Bei den Änderungen geht es um Stoffe, die in größeren Mengen krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsschädigend wirken können. Die EU führt eine Liste dieser Chemikalien. Wenn der Liste ein Stoff hinzugefügt wird, darf dieser in der Folge nicht mehr in Lebensmitteln oder Kosmetika verwendet werden.
Hersteller können eine Ausnahme beantragen, wenn keine Alternativen verfügbar sind und sie nachweisen können, dass die verwendete Menge in ihren Produkten nicht schädlich wirkt. Bislang gelten für Kosmetika dabei die gleichen Standards wie für Lebensmittel, dies soll sich nun ändern.
Die Abgeordneten schoben weitergehenden Lockerungen aber einen Riegel vor: Ursprünglich hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, dass Stoffe, die nur beim Einatmen oder Verschlucken schädlich wirken, gar nicht erst verboten werden sollen. Dies lehnten die Abgeordneten ab. Auch der Rat der 27 Mitgliedstaaten ist dagegen, diese Änderung ist damit vom Tisch.
Knackpunkt Übergangsfristen
„Das EU-Parlament kann sich zugutehalten, den gefährlichsten Vorschlag der Kommission beseitigt zu haben, indem es ein vollständiges Verbot der Verwendung sogenannter CMR-Stoffe in Kosmetikprodukten wiederhergestellt hat“, sagt die luxemburgische Grünen-Abgeordnete Tilly Metz in einer Mitteilung. „Doch die heutige Abstimmung ist auch ein Eingeständnis von Schwäche: Wenn es um den Schutz der Gesundheit der Europäerinnen und Europäer geht, scheint die EU nur noch zurückzuweichen, statt voranzugehen.“
Kosmetikhersteller haben sich für die Lockerungen eingesetzt und Vorwürfe zurückgewiesen, sie wollten Schadstoffe länger nutzen. Die Reform „macht es weniger wahrscheinlich, dass sichere Inhaltsstoffe verboten werden, und stellt zu hundert Prozent sicher, dass Inhaltsstoffe verboten werden, die verboten werden müssen“, erklärte der Vorsitzende des Branchenverbands Cosmetics Europe.
Die Reform geht nun in die Verhandlungen zwischen Vertretern aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder. Diese Beratungen dürften mehrere Monate dauern. Dabei dürften unter anderem die Übergangsfristen im Zentrum stehen, bis zu denen die Hersteller Produkte mit verbotenen Chemikalien aus dem Verkehr ziehen müssen. Bislang haben sie dafür in den meisten Fällen eineinhalb Jahre Zeit. (AFP)