Nahost
Die neue Ordnung am Golf nach dem OPEC-Austritt
Der Rückzug der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC könnte die globale Ölmarktstruktur verändern. Gleichzeitig schwächt er die Steuerungsfähigkeit des Kartells und erhöht langfristig die Unsicherheit auf den Energiemärkten.
Welche genauen Auswirkungen der VAE-Austritt aus der OPEC hat, bleibt abzuwarten Symbolbild: Eli Hartman/dpa
Die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate, nach fast sechs Jahrzehnten der Mitgliedschaft aus der OPEC und der OPEC+ auszutreten, hat dem Kartell einen schweren strukturellen Schlag versetzt. Der Verlust seines drittgrößten Produzenten – der fast fünf Millionen Barrel pro Tag fördern kann und weitere Expansionspläne hegt – wird es dem Kartell zunehmend erschweren, seine zentrale Funktion zu erfüllen: die Steuerung des Angebots und die Stabilisierung der Ölpreise. Im Laufe der Zeit dürfte die Freiheit der VAE, nach Belieben zu produzieren – insbesondere sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet ist –, die Rohölpreise nach unten treiben und die Marktvolatilität erhöhen.
Doch der Austritt aus der OPEC ist weit mehr als eine energiepolitische Anpassung. Er ist der bislang deutlichste Ausdruck der Entscheidung der VAE, mit der von Saudi-Arabien angeführten regionalen Ordnung zu brechen. Vor allem spiegelt er die Wette wider, dass die Zukunft des Landes in einer engeren strategischen Ausrichtung auf die Vereinigten Staaten und Israel sowie einer tieferen Integration in die globalen Märkte liegt – und nicht in der Solidarität mit den Golfstaaten.