Standpunkt
Die Zurückhaltung der Fed gegenüber den digitalen Dollars
Die Regierungen vieler Länder, vor allem Chinas, experimentieren weiterhin mit digitalen Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDC). Die Entwicklung von Geld 3.0 ist in vollem Gange, und die US-Notenbank – ein in dieser Hinsicht auffälliger Nachzügler – hat mit ihrem jüngsten White Paper mit dem Titel „The US Dollar in the Age of Digital Transformation“ nun endlich begonnen, sich einzuschalten, wenn auch nur zaudernd. Die Vorsicht der Fed ist verständlich, aber ist sie auch übertrieben?
Foto: AFP/Stefani Reynolds
Die Fed legt die Messlatte für die Einführung eines digitalen Retail-Dollars extrem hoch. Zunächst einmal heißt es, dass die neue Form des Geldes Vorteile bieten muss, die effektiver sind als andere Methoden, womit vermutlich an den Dollar gekoppelte digitale Stablecoins und entsprechend vorhandene Bankkonten gemeint sind. Ein Vorteil eines digitalen Dollars soll beispielsweise darin bestehen, dass er „Echtzeit-Clearing“ für kleine Zahlungen ermöglicht, was natürlich bereits mit Papierwährungen möglich ist, und die Fed plant, bald elektronische Zahlungen rund um die Uhr über Banken einzuführen. Die digitale Währung muss auch die Privatsphäre schützen (andererseits sagen das auch die chinesischen Behörden) und darf keine kriminellen Aktivitäten erleichtern, was angesichts der Beliebtheit des 100-Dollar-Scheins in der globalen Schattenwirtschaft nicht ohne Ironie ist.