Ebola

Warum der neue Ausbruch der WHO Sorgen bereitet

Seit dem Ausbruch der derzeitigen Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo sind schon mehr als 130 Menschen gestorben. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, ist „zutiefst besorgt“ über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Epidemie. Für die Besorgnis gibt es mehrere Gründe.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Chef, äußert tiefe Besorgnis über aktuellen Ebola-Ausbruch in Afrika

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, ist „zutiefst besorgt“ über den neuerlichen Ebola-Ausbruch Foto: Fabrice Coffrini/AFP

Es handelt sich schon um die 17. Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Ausgelöst wurde sie durch die seltene Bundibugyo-Variante des Virus. Diese wurde bislang nur bei zwei Ausbrüchen 2007 in Uganda und 2012 im Kongo nachgewiesen und ist daher noch nicht gut erforscht. Die Sterblichkeitsrate liegt bei dieser Variante bei 30 bis 50 Prozent – und damit deutlich niedriger als bei der häufigeren Zaire-Variante.

Die massive Ausbreitung wird jedoch durch „eine Kombination unglücklicher Umstände“ begünstigt, wie die Ebola-Expertin Aurélie Wiedemann, Immunologin am französischen Gesundheitsforschungsinstitut Inserm, sagt.

Es gibt bisher keinen zugelassenen Impfstoff und auch keine gezielte Therapie gegen das Bundibugyo-Virus. Die WHO will nun untersuchen, ob existierende Ebola-Impfstoffe und Medikamente auch zur Eindämmung der Bundibugyo-Variante geeignet sind. Noch haben Fachleute die Hoffnung nicht aufgegeben, wie Wiedemann sagt. „Aber wir tappen ein Stück weit im Dunkeln.“

Der Ausbruch blieb zudem offenbar lange unentdeckt: Menschen, die sich mit der Bundibugyo-Variante infizieren, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder bei Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern. Erschwerend kommt hinzu, dass auf die Zaire-Variante zugeschnittene Ebola-Tests die Bundibugyo-Variante nicht zuverlässig erkennen.

Gesundheitliche Notlage

Die WHO geht mittlerweile davon aus, dass die Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo vermutlich schon „vor einigen Monaten begonnen hat“, wie die WHO-Spezialistin Anaïs Legand am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Genf sagte. Wahrscheinlich haben sich deshalb schon deutlich mehr Menschen infiziert als bisher angenommen, wie Modellierungen für eine Studie des Imperial College London ergeben haben.

Da es keine wirksame Therapie gegen das Bundibugyo-Virus gibt, konzentrieren sich die Eindämmungsbemühungen darauf, Infektionsfälle so schnell wie möglich zu identifizieren, die Patienten zu isolieren und Symptome wie Fieber zu bekämpfen. Wichtig sei auch Kontaktverfolgung, die in diesem Fall aber nicht einfach sei, sagt Mamadou Kaba Barry von der Hilfsorganisation Alima, die vor Ort medizinische Hilfe leistet.

Erschwert werden die Hilfsmaßnahmen auch durch massive Kürzungen, etwa durch die Auflösung der US-Entwicklungshilfebehörde USAID durch Präsident Donald Trump. „So schnell wie möglich Gelder freizugeben, könnte schon ab heute einen großen Unterschied machen“, sagt Barry.

Die WHO hat wegen der aktuellen Ebola-Epidemie eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen – ihre zweithöchste Alarmstufe. Die allermeisten Fachleute sehen aber kein Pandemie-Risiko, obwohl es auch schon Infektionsfälle im benachbarten Uganda gibt. Selbst ein großer Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 bis 2016 mit fast 30.000 Toten hatte sich nicht über den afrikanischen Kontinent hinaus ausgebreitet.

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