Reportage
„Die Sündenböcke Russlands“: Arbeitsmigranten haben es nicht einfach in Putins Reich
Seit dem Terroranschlag auf die Konzerthalle Crocus City Hall bei Moskau verschärft Russland laufend seine Gesetze gegen Arbeitsmigranten. Es trifft vor allem Taxifahrer, Kuriere, Bauarbeiter. Auch Kinder werden ausgesondert.
Ausweiskontrolle in einem Moskauer Bahnhof: Vor allem „Nicht-Slawen“ müssen in Russland ihre Ausweispapiere immer parat halten Foto: Iago/Russian Look
Seine Dokumente hat er in eine grünliche Mappe verpackt. Er hat sie immer dabei: den übersetzten und notariell beglaubigten Pass, den Führerschein, die örtliche Registrierung, die Arbeitsbewilligung, die Autoversicherung, den Mietvertrag, ja, auch die Eheurkunde und die Geburtsurkunden der drei Kinder, ebenfalls übersetzt und notariell beglaubigt. „Man muss auf alles gefasst sein“, sagt Mirsoali. Der Mittvierziger kommt aus Tadschikistan und fährt seit Jahren Taxi in Moskau. Er reagiert sehr vorsichtig auf Fragen von Fremden. Den Nachnamen will er nicht nennen, das will dieser Tage ohnehin kaum einer in Russland, wenn er von ausländischen Journalisten angesprochen wird. Die Menschen misstrauen allen und allem. Seit Russland den Krieg in der Ukraine begonnen hat und Russlands Präsident Wladimir Putin ein repressives Gesetz nach dem anderen unterschreibt, ist die Gesellschaft nahezu verstummt.