Analyse von Joschka Fischer
Der Kampf um den ersten Platz in der neuen Weltordnung
Die Zeit der Weltordnung, die auf dem US-amerikanischen Monopol an globaler militärischer, wie wirtschaftlicher Macht und Werten beruhte, ist endgültig zu Ende, und mit ihr auch die lange Ära von Stabilität für uns Europäer und die Vorherrschaft des transatlantischen Westens unter Einschluss der Europäer. Die Welt ist wesentlich unruhiger und unsicherer geworden, und die nächste Zukunft wird mehr von dieser Instabilität bringen.
Eine totale technologische Ausrichtung auf die digitale Zukunft und KI gehört zu Chinas Erfolgsrezepten Foto: AFP
In dem G7/G8-Format der wichtigsten Industrienationen weltweit kam dies in der Vergangenheit anschaulich zum Ausdruck. Heute gibt es hingegen konkurrierende Formate wie die „Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit“, angeführt von China, Russland und Indien und bestehend aus überwiegend aufstrebenden Schwellenländern.
An die Stelle der alleinigen amerikanischen Vorherrschaft trat eine globale Ordnung, die auf der Rivalität und Konkurrenz mehrerer großer Weltmächte gründende neue Weltordnung, die nicht mehr auf einem festen verrechtlichten Regelwerk beruht, sondern ausschließlich auf wirtschaftlicher, technologischer und militärischer Macht gründet und konsequenterweise auch den Krieg und eine zunehmende Kriegsgefahr zwischen diesen globalen Großmächten mit sich bringt, allesamt nukleare Schwergewichte zudem.