Lateinamerika

Chiles Präsident José Antonio Kast verliert bereits nach kurzer Zeit an Zuspruch

Der seit März amtierende, ultrarechte chilenische Präsident José Antonio Kast ist zwar nach weniger als hundert Tagen im Amt in der Gunst der Chilenen abgestürzt, doch er hat die alten Geister der Pinochet-Diktatur geweckt.

Chiles Staatschef José Antonio Kast (rechts) wird am 1. Juli von Uruguays Präsident Yamandú Orsi in Montevideo begrüßt. Orsi ist übrigens von dem linken Bündnis Frente Amplio.

Chiles Staatschef José Antonio Kast (rechts) wird am 1. Juli von Uruguays Präsident Yamandú Orsi in Montevideo begrüßt. Orsi ist übrigens von dem linken Bündnis Frente Amplio. Foto: Santiago Mazzarovich/AFP

Santiago de Chile, August 1974: Der Militärputsch vom 11. September 1973 unter Führung von General Augusto Pinochet liegt neun Monate zurück. Ein Lieferwagen rollt die Avenida Libertador General Bernardo O‘Higgins entlang, im Volksmund „Alameda“ genannt. Dann biegt er ab. Vor der Hausnummer 38 der Calle Londres bleibt er stehen. Ein paar Schergen des Militärregimes lassen eine Gruppe von Männern mit verbundenen Augen aus dem hinteren Teil des Fahrzeugs aussteigen und bringen sie in das Gebäude. Dort wird einer nach dem anderen auf das Gestell eines Metallbetts gelegt, an Händen und Füßen gefesselt und gefoltert.

Pinochet liegt 24 Jahre später, im Oktober 1998, in einem Bett einer Londoner Klinik und erholt sich von einer Rückenoperation. Als vier Polizisten und eine Dolmetscherin sein Zimmer betreten, teilen sie ihm mit, dass er verhaftet sei. Der spanische Richter Baltasar Garzón hat einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erlassen und fordert seine Auslieferung nach Spanien, um ihn wegen Völkermordes vor Gericht zu stellen. Pinochet habe Menschen foltern und verschwinden lassen. Der das erzählt, ist Philippe Sands. Der Professor für Internationales Recht ist ein international bekannter Menschenrechtsanwalt. Der Brite sollte den Diktator zunächst vertreten, war dann aber an der Anklage gegen Pinochet beteiligt. In seinem Buch „Die Verschwundenen von Londres 38“ erzählt er von dem juristischen Tauziehen um die Auslieferung.

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