Beschuldigter in Psychiatrie
Bei Messerattacke getöteter Trierer Student war Zufallsopfer
Das Gewaltverbrechen an einem 22-Jährigen sorgt für Trauer, Entsetzen und viele Fragen. Der Täter ist nach seiner Vernehmung in eine forensische Psychiatrie eingewiesen worden.
Bei einem Angriff am Petrisberg ist ein Student getötet worden Foto: dpa/Harald Tittel
Nach dem tödlichen Angriff auf einen 22-jährigen Studenten unweit der Trierer Universität am Mittwochmorgen dauern die Ermittlungen an. Inzwischen steht fest, dass sich der kurz nach der Tat festgenommene Tatverdächtige, ein 22-jähriger Afghane, und das gleichaltrige Opfer vor dem Aufeinandertreffen nicht gekannt haben. „Sie trafen dort zufällig aufeinander“, sagt ein Ermittler. Warum der mutmaßliche Täter auf den Studenten einstach, ist weiter unklar. Es gebe bislang keinerlei Hinweise auf ein Motiv, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen.
Attacke auf Student in Trier: Polizei sucht nach Motiv
Das Opfer wurde durch mindestens zwei Stiche eines von dem Tatverdächtigen mitgeführten Küchenmessers in den Brustbereich schwer verletzt. Der Student starb trotz Wiederbelebungsversuchen der umgehend von Zeugen alarmierten Rettungskräfte wenig später im Krankenhaus.
Der Tatverdächtige entfernte sich zunächst vom Ort des Gewaltverbrechens in der Robert-Schuman-Allee, wurde aber wenig später in der Nähe durch Einsatzkräfte der Polizei festgenommen. Er habe direkt nach der Festnahme eingeräumt, auf den Studenten eingestochen zu haben, sich aber ansonsten nicht weiter zum Motiv oder den Hintergründen geäußert, teilte Fritzen mit. Der Leichnam des nach Volksfreund-Informationen aus dem Kreis Kaiserslautern stammenden Opfers wurde am Donnerstagvormittag von der Mainzer Rechtsmedizin obduziert. Demzufolge starb der junge Mann an den Folgen mehrerer Messerstiche.
Polizei sucht nach Motiv für Tötungsdelikt
Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Tatverdächtige an einer psychischen Erkrankung leidet. Deswegen sei er in jüngerer Zeit auch bereits in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung gewesen. Er wurde am Donnerstagmittag dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Trier vorgeführt. Dieser ordnete die einstweilige Unterbringung in der geschlossenen forensischen Psychiatrie an. Weil laut Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Schuldfähigkeit des Mannes zur Tatzeit eingeschränkt gewesen sein könnte, wurde ein psychiatrisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Die Ermittlungen dauerten an, heißt es.
Nach Volksfreund-Informationen soll sich der Tatverdächtige seit über zehn Jahren in Deutschland aufhalten. Zuletzt wohnte er in der Nähe des Tatorts auf dem Petrisberg. Bislang sei der junge Mann nicht negativ aufgefallen, heißt es. Er habe einen Schulabschluss, eine Ausbildung gemacht und seit Jahren einen festen Job in einem Trierer Großbetrieb. Auf Volksfreund-Nachfrage sagte der Leitende Oberstaatsanwalt, dass der Asylantrag des jungen Mannes abgelehnt worden sei, er aber ein Aufenthaltsrecht gehabt habe.
Die Trierer Universität gedachte am Donnerstagmittag des getöteten Studenten. Ein solches Ereignis erschüttere die Universitätsgemeinschaft zutiefst „und macht uns fassungslos“, heißt es auf der Uni-Internetseite. An der Gedenkminute nahm auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe teil und trug sich in ein ausgelegtes Kondolenzbuch ein. „Es ist zutiefst erschütternd, dass ein junges Leben durch eine solche Gewalttat so plötzlich ausgelöscht wurde. Meine Gedanken sind bei der betroffenen Familie und den Freunden des jungen Mannes“, sagte Leibe. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Gewalttat „am helllichten Tag auf offener Straße in einem Wohngebiet“ als „ein verstörendes Ereignis, das die Stadtgesellschaft bewegt“. An der Gedenkminute auf dem Campusgelände nahmen über 1.000 Menschen teil.