Italien

Berlusconi wirkt über den Tod hinaus

Am Mittwoch stand Italien im Zeichen des Staatsbegräbnisses für Silvio Berlusconi. Fast drei Jahrzehnte beeinflusste der Mailänder die Politik in Italien. Und wirkt weiter über seinen Tod hinaus: Regierungschefin Giorgia Meloni befürchtet den Niedergang der Forza Italia und rechnet mit der Einsetzung einer technischen Regierung. Für die kommende Woche hat Meloni erst einmal alle parlamentarischen Entscheidungen auf Eis gelegt, die Opposition protestiert.

Tochter Marina Berlusconi nimmt die Beileidsbekundung des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella (r.) entgegen, neben Berlusconis Sohn Pier Silvio und Marta Fascina, der Lebensgefährtin des „Cavaliere“

Tochter Marina Berlusconi nimmt die Beileidsbekundung des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella (r.) entgegen, neben Berlusconis Sohn Pier Silvio und Marta Fascina, der Lebensgefährtin des „Cavaliere“ Foto: AFP

Silvio Berlusconi trennt die Gemüter, auch über seinen Tod hinaus. Schon der Ablauf des Staatsbegräbnisses verdeutlicht die Spaltung, die Berlusconis Persönlichkeit in der Gesellschaft verursachte: Die Zeremonie wurde nach ambrosianischem Ritus abgehalten, der nicht nur verschieden vom römischen ist, sondern auch eine Abgrenzung vom Vatikan anzeigt. In den zwanzig Jahren seiner Amtszeiten pflegte Berlusconi enge Beziehungen zu den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI., doch mit Papst Franziskus traf der „Cavaliere“ während des bisher zehn Jahre andauernden Pontifikats nicht einmal zusammen. Der Vatikan hielt Abstand zu dem von Skandalen geschüttelten Politiker. Der als Armenpriester bekannte Alex Zanotelli nannte es gar ein Sakrileg, die Totenfeier für Berlusconi im Mailänder Dom abzuhalten. Einzig das Bistum Mailand stand treu zu Berlusconi. Und so ehrte Erzbischof Mario Delpini den Verstorbenen in seiner Homilie auch als „Mann des Lebens, der Liebe, der Freude, des Geschäfts und der Politik“.

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