Trier
Bei Luxemburgern beliebte Uni verfällt: Marode Gebäude und Rattenbefall gefährden Betrieb
Rattenbefall, defekte Brandschutztüren und Schimmel: Die Schäden an der Uni Trier sind so groß, dass eigentlich nur noch der Abriss hilft. Doch ist das wirklich die Lösung?
Mit Moos nix los: Eine vergammelte Fassade der Universität Trier Foto: Rechnungshof Rheinland-Pfalz
Fast 600 Luxemburger Studierende sind zum Wintersemester 2024/25 an der Universität in Trier eingeschrieben. Damit ist die Uni in der nahen deutschen Moselstadt mit eine der beliebtesten Auslands-Unis für Luxemburger Studenten. Aber: Die Bildungseinrichtung mit ihren rund 10.000 Studenten ist in einem desolaten Zustand. Über Jahre hat die rheinland-pfälzische Landesregierung zu wenig in die Instandhaltung investiert. Nun sind die 70er-Jahre-Bauten marode und es gibt etliche Brandschutzmängel. Im Hauptgebäude sind die Schäden gar so groß, dass es eigentlich abgerissen und neu gebaut werden müsste. All das geht aus Untersuchungen des rheinland-pfälzischen Rechnungshofes hervor, der am Dienstag in Mainz seinen Jahresbericht vorgestellt hat.
300 Millionen Euro nötig, um Uni am Laufen zu halten
Allein von 2019 bis 2022 wären für die Instandhaltung der Uni jährlich knapp 20 Millionen nötig gewesen. Tatsächlich haben die Uni und der Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) unterstellte Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) jährlich nur 3,3 Millionen investiert. Wegen des Sanierungsstaus schätzen die Rechnungsprüfer, dass in den kommenden Jahren mehr als 300 Millionen Euro nötig wären, um die Uni am Laufen zu halten.
Wabenstruktur: In den Fassaden der Uni sollen Mäuse und Ratten leben Foto: Rechnungshof Rheinland-Pfalz
„Der Rechnungshof hat völlig recht und es ist gut, dass er jetzt den Finger in die Wunde legt“, sagte die Präsidentin der Universität, Eva Martha Eckkrammer, unserer Zeitung. Für ordentliche Instandhaltungen fehle das Geld vom Land. „Wir sind immer nur am Feuerlöschen, machen nur das Allerwichtigste“, so Eckkrammer.
Am schlimmsten sind die „erheblichen Brandschutzmängel“ im Hauptgebäude A/B. Weil Wände nicht bis zur Rohdecke hochgezogen waren, bestand die Gefahr einer „ungehinderten Ausbreitung von Feuer und Rauch über abgehängte Decken“, heißt es im Rechnungshofbericht. 77 Brandschutztüren waren nicht ordentlich eingebaut oder defekt. Und auch die Brandmeldeanlage sei veraltet und erfülle nicht mehr die heutigen Anforderungen. Damit die Gebäude nicht geschlossen werden müssen, habe die Uni Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet.
Uni Trier: Mäuse und Ratten in Fassaden und Gebäuden
Auch die Bausubstanz ist schwer beschädigt – darunter etwa die Hälfte der Flachdächer. Weil es deshalb immer wieder Wasserschäden gebe, sei die Nutzung der Räume beeinträchtigt. Laut Rechnungshof sind die Fassaden und die Gebäude teils auch von Mäusen und Ratten befallen. Die Technik innerhalb stammt zum großen Teil noch aus der Bauzeit und hat ihre Nutzungsdauer inzwischen überschritten. Der Rechnungshof listet etwa die Technikzentrale mit 47 Jahre alten Heizkesseln, Trinkwasserleitungen und Luftanlagen auf. Es bestehe die Gefahr von „Totalausfällen“. Kernbereiche der Uni wie Hörsäle oder Bibliothek könnten bei einem Ausfall nicht mehr genutzt werden, so der Rechnungshof.
Rechnungshofpräsident Marcel Hürter hat die Landesregierung deshalb aufgefordert, genügend Mittel und Personal für die Sanierung der Uni bereitzustellen. Doch eine Generalsanierung oder ein Neubau würden womöglich Jahrzehnte dauern. Uni-Präsidentin Eckkrammer geht davon aus, dass schrittweise saniert werden muss. Weil im Hauptgebäude ein Großteil der Hörsäle, Büros und Seminarräume untergebracht ist, bräuchte es ein Ausweichgebäude für die Übergangszeit. Und allein dieser Bau könnte zwölf Jahre dauern, sagte Eckkrammer. Der Grund dafür seien extrem lange Planungs- und Genehmigungszeiten. „Die Frage ist, ob wir noch so lange durchhalten“, so die Uni-Präsidentin.
Personalprobleme beim Landesbetrieb
Die Landesregierung will nun zunächst ein Gutachten erstellen lassen und anschließend eine Strategie entwickeln, heißt es im Rechnungshofbericht. Der von Seiten des Landes zuständige LBB hat seit Jahren allerdings auch Personalprobleme. Bei einer Prüfung vor zwei Jahren waren mehr als 250 Stellen vakant. Der Rechnungshof bezweifelt deshalb, ob das „Instandhaltungsdefizit“ vom Personal der Uni und dem Landesbetrieb abgearbeitet werden kann. Die Uni Trier sei nur ein „extremes Beispiel“, sagte Rechnungshofpräsident Marcel Hürter. Bei zahlreichen Landesgebäuden sei über Jahrzehnte zu wenig in den Unterhalt investiert worden.