Grönland
Begehrte Insel im Eis mit wertvollen Bodenschätzen
US-Präsident Donald Trump formuliert immer wieder neu seine Ansprüche, Grönland den Vereinigten Staaten einzuverleiben. Das Interesse der USA an der arktischen Insel ist nicht neu.
Sicht auf den Sermitsiaq, ein 1.210 Meter hoher Berg, hinter Nuuk, der Hauptstadt Grönlands Foto: Odd Andersen/AFP
Schon in der Monroe-Doktrin von 1823 beanspruchten die Vereinigten Staaten Grönland als Teil ihrer „Interessensphäre“. 1917 kaufte Washington die karibischen Jungferninseln von Dänemark und erkannte zeitgleich die dänische Souveränität über Grönland an.
Während des Zweiten Weltkriegs, als Deutschland Dänemark besetzt hielt, übernahmen die USA die Kontrolle über Grönland. Am Ende des Krieges gaben sie die Kontrolle wieder ab, behielten jedoch wichtige Militärstützpunkte auf der Insel. Einer davon, in Pituffik im Nordwesten, ist bis heute in Betrieb.
Grönland ist mit einer Fläche von rund 2,16 Millionen Quadratkilometern die größte Insel der Welt. Geografisch ist sie ein Teil Nordamerikas. Die grönländische Hauptstadt Nuuk liegt näher an New York als an Kopenhagen. Der Hauptstadtflughafen wurde zuletzt ausgebaut, es starten und landen dort nun auch Langstreckenflüge, unter anderem nach New York.
Die Öl- und Gasvorkommen Grönlands werden auf etwa 28,43 Milliarden Barrel Öläquivalent geschätzt
In Grönland gibt es keine Bahn, und das winzige Straßennetz konzentriert sich auf die Hauptstadt. Um sich fortzubewegen, sind die Grönländer auf Hubschrauber, Flugzeuge und Schiffe angewiesen. Steigende Temperaturen und schmelzendes Eis eröffnen inzwischen neue und kürzere Seewege, was die strategische Bedeutung der Insel stärkt.
Unerschlossene Bodenschätze
Grafik: AFP
Derzeit lebt Grönland hauptsächlich von der Fischerei. Doch im Boden lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. Laut dem staatlichen Geologischen Dienst Dänemarks und Grönlands verfügt die Insel über 36,1 Millionen Tonnen Seltener Erden. Allerdings sind davon laut dem United States Geological Survey (USGS) nur etwa 1,5 Millionen Tonnen tatsächlich abbaubar.
Neben Seltenen Erden gibt es in Grönland auch Vorkommen von Lithium, Grafit und Kupfer. Bergbau findet bislang aber so gut wie nicht statt. Auch fossile Brennstoffe schlummern in den eisigen Böden Grönlands. Die Öl- und Gasvorkommen werden auf etwa 28,43 Milliarden Barrel Öläquivalent geschätzt.
Allerdings wurde in Grönland noch nie eine industrielle Öl- oder Gasbohrung vorgenommen. Erkundungen wurden aus Sorge um das Klima ausgesetzt; stattdessen soll die Wasserkraft ausgebaut werden.
Klimawandel und Wirtschaft
Grönland bekommt die Auswirkungen der Erderwärmung unmittelbar zu spüren, da sich die Arktis laut einer Studie seit 1979 viermal schneller erwärmt als der Rest des Planeten. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die grönländische Eiskappe immer schneller abschmilzt. Würde die grönländische Eismasse vollständig schmelzen, könnte der Meeresspiegel Simulationen zufolge um mehr als sieben Meter ansteigen.
Vor 300 Jahren kolonialisierte Dänemark Grönland. Die Kolonialzeit auf der Insel endete 1953, als Grönland Teil des Königreichs Dänemark wurde. 1979 gewährte Kopenhagen Grönland die Selbstverwaltung, ein Gesetz von 2009 stärkte die Autonomie. 1982 trat Grönland nach einem Referendum aus der EU aus, ist aber weiterhin Mitglied der NATO. Wirtschaftlich ist die Insel stark von Dänemark abhängig: Die jährlichen Subventionen in Höhe von mehr als 520 Millionen Euro machen ein Fünftel des grönländischen Bruttoinlandsproduktes aus. (AFP)