Ausschreitungen in Frankreich
Banlieues – Zeitbomben oder Territorien des Widerstandes
Die Explosion der Gewalt in den Banlieues, nachdem ein 17-Jähriger bei einer Polizeikontrolle getötet wurde, hat eine lange Vorgeschichte, aus der bis heute keine tauglichen Lehren gezogen wurden.
Die Polizei schlägt mit Tränengas zurück, wie hier am 2. Juli in Paris Foto: AFP/Ludovic Marin
Brandgeruch liegt am Samstagmorgen über Neuhof. Im Rathaus des Straßburger Stadtteils wurde in der von Donnerstag auf Freitag Feuer gelegt, ebenso im nahen Kulturzentrum. Zahlreiche Autos gingen in Flammen auf: In der vergangenen Nacht brannten 74, in der Nacht zuvor wurden in Straßburg 60 zerstörte Autos gezählt. Im Vorort Cronenbourg wurden zwei Schulen angezündet und verwüstet. Brennende Fahrzeuge und Gebäude sind für die etwa 20.000 Bewohner des Viertels nichts Neues. Seit vielen Jahren ist Neuhof, wie Hautepierre im Westen der Elsass-Metropole, ein sozialer Brennpunkt und bekannt für Krawalle. Vor allem in den Silvesternächten geht es zwischen den tristen Wohnsiedlungen aus Plattenbauten hoch her. Wie in vielen anderen Banlieues französischer Städte herrscht in der Vorstadt im Süden Straßburgs Perspektivlosigkeit, die sich manchmal in exzessiver Gewalt entlädt. Dann kommt es zu Brandstiftungen und Plünderungen sowie zu handfesten Auseinandersetzungen der Jugendlichen aus dem Viertel mit der Polizei. Das gilt schon seit den 80er Jahren und hat sich bis heute nicht geändert.