Kroatien

Außenminister Grlic Radman nach peinlicher Szene in Bedrängnis

Mit einer missglückten Kussattacke gegen seine deutsche Amtskollegin hat sich Kroatiens Außenminister Goran Grlic Radman ungewollt ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit bugsiert. Doch auch in seiner Heimat hat der ungelenke Chefdiplomat bei vielen seiner Landsleute zunehmend Kredit verspielt.

Nicht nur Fußball-Verbandschefs wissen sich nicht zu benehmen: Der kroatische Chefdiplomat Gordan Grlic Radman blamierte sich am vergangenen Donnerstag mit dieser Begrüßung seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock

Nicht nur Fußball-Verbandschefs wissen sich nicht zu benehmen: Der kroatische Chefdiplomat Gordan Grlic Radman blamierte sich am vergangenen Donnerstag mit dieser Begrüßung seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock Foto: John MacDougall/AFP

Wer Schaden anrichtet, muss sich auch beim EU-Benjamin Kroatien über Kritik und bissige Häme kaum wundern. „Er hat sich und alle Kroaten beschämt“, empörte sich am Wochenende nach der missglückten Kussattacke von Außenminister Goran Grlic Radman gegen seine deutsche Amtskollegin Annalena Baerbock beim jüngsten EU-Außenministertreffen in Berlin das Webportal dvevno.hr.

Nur die schnelle Reaktion von Baerbock, die angesichts der geschürzten Lippen ihres Kollegen angewidert, aber rechtzeitig ihren Kopf abwendete, verhinderte den ungelenken Annäherungsversuch. Die Videoaufnahmen des 65-jährigen Ministers, der den Händedruck seiner 23 Jahre jüngeren Kollegin beim „Familienfoto“ der EU-Außenminister mit einem Kuss zu erwidern suchte, hat bei seinen Landsleuten vor allem entgeistertes Fremdschämen ausgelöst.

„Entschuldigen Sie bitte, Ministerin Baerbock“, titelte zerknirscht die Zagreber Zeitung Jutarnji List. Als „Fiasko in Berlin“ umschrieb das tportal.hr den übergriffigen Ministerauftritt. „Frauen gewaltsam zu küssen, nennt man Gewalt, oder nicht?“, so die frühere Regierungschefin Jadranka Kosor auf X.

Als „warmen und menschlichen Umgang“ versuchte hernach Kroatiens Chefdiplomat seine wenig diplomatische Kuss-Attacke zu erklären: „Wir Minister begrüßen uns als Kolleginnen und Kollegen immer sehr herzlich.“ Er wisse nicht, worin da ein Problem liege. Aber „vielleicht“ sei es ein „unpassender Moment“ gewesen, räumt der frühere Botschafter in Berlin immerhin zerknirscht ein: „Wenn jemand etwas Schlechtes darin sehen sollte, entschuldige ich mich bei denjenigen, die das so aufgefasst haben.“

Auch noch vergesslich

Selbst die BBC berichtete: Dank der Aufnahmen seiner vereitelten Kuss-Attacke hat sich der außerhalb der Landesgrenzen kaum bekannte Außenminister eher ungewollt ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit bugsiert. Doch in der Heimat gerät der Kuss-Bedränger zunehmend in Bedrängnis. Bei vielen seiner Landsleute hat er längst allen Kredit verspielt: Bei der jüngsten Umfrage des CRO-Demoskop-Instituts im Oktober hat der Minister erstmals den Sprung in die Top drei der unpopulärsten Politiker des Landes geschafft.

Seine abgestürzten Popularitätswerte haben vor allem unter seiner „Vergesslichkeit“ bei der Offenlegung seines Privatvermögens gelitten, zu der im Adriastaat alle Würdenträger verpflichtet sind. So versäumte er es, seine Einnahmen aus der von seinem Vater geerbten Beteiligung an dem auf Biogas und die Verwertung von Tierkadavern spezialisierten Agrarkonzern Agroproteinka zu vermelden: Seit seinem Amtsantritt 2019 strich der vergessliche Minister immerhin Dividende in Höhe von 2,1 Millionen Euro ein.

Weil die Regierung in Zagreb dem Familienunternehmen wegen des erhöhten Arbeitsaufwands in der grassierenden Schweinepest in Slawonien zusätzliche Millionenzuschüsse gewährte, witterte die Opposition einen Interessenkonflikt – und reichte im Oktober ein Misstrauensvotum gegen Grlic Radman ein. Nach stundenlanger Nachtdebatte wurde der Antrag mit Hilfe der konservativen Regierungsmehrheit abgeschmettert. Sein Amt als Außenminister bereite ihm so viel Freude, dass er es gerne noch „hundert Jahre“ ausüben würde, bekannte hernach freudig der langjährige Karrierediplomat.

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