Ukraine-Krieg

Ausnahmezustand auf der Krim – neue ukrainische Strategie zeigt Wirkung

Die wochenlangen ukrainischen Luftangriffe auf die von Russland besetzte Halbinsel Krim zeigen Wirkung: Am Freitag verhängte der vom Kreml eingesetzte Gouverneur den Ausnahmezustand über das Gebiet.

Satellitenbild vom Brand im Öldepot in Kertsch auf der von Russland besetzten Krim, Juni 2024

Ein Satellitenbild vom 20. Juni zeigt einen Brand in einem Öldepot in Kertsch auf der von Russland besetzten ukrainischen Halbinsel Krim Foto: Handout/Satellite image ©2026 Vantor/AFP

Der Notstand solle dazu dienen, „Probleme schnell zu lösen“, damit der Betrieb „wesentlicher Bereiche“ aufrechterhalten werden könne, erklärte Sergej Aksjonow im Onlinedienst Telegram. Erst am Donnerstag hatte Aksjonow Stromabschaltungen angekündigt, wegen der Schäden an der Energie-Infrastruktur durch ukrainische Drohnen. Tankstellen haben den Verkauf von Treibstoff an Privatpersonen schon seit Längerem eingestellt. Alle Sommerlager wurden abgesagt.

Die Krim durchlebe eine „schwierige Zeit“, räumte Aksjonow ein. Dabei sei die fehlende Versorgung mit Kraftstoffen „am kritischsten“. „Ich kann weder genau sagen, wie lange es dauern wird, noch kann ich den konkreten Aktionsplan öffentlich bekanntgeben“, fügte er hinzu.

Während die zunehmenden Probleme auf der besetzten Krim für den Kreml ein immer größeres Problem sind, zeigt der Plan aus Sicht der ukrainischen Armee erste Erfolge. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte ihn vor Kurzem eine „sorgfältig kalkulierte Strategie“ genannt, mit der Kiew Russland dazu zwingen wolle, „sich für den Frieden zu entscheiden“. Konkret attackierte die ukrainische Armee russische Nachschubwege, Tanklaster und Militärfahrzeuge.

Im Fokus der Ukrainer sind immer wieder auch russische Luftabwehrsysteme. Deren Zerstörung „ebnet den Weg für weitere Präzisionsschläge“, erklärt der ukrainische Geheimdienst SBU. Attacken auf die Häfen beeinträchtigten dagegen „die Fähigkeit der Besatzer, ihre Truppen zu versorgen“.

„Selenskyj tut alles, um zu zeigen, dass die territorialen Gewinne Russlands brüchig sind“, sagt Tatiana Kastoueva-Jean, Leiterin des Zentrums für Russland und Eurasien am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri). Ihr Ifri-Forschungskollege Stéphane Audrand fügt hinzu, dass die Ukraine dabei sei, den „Wert“ der Krim für die russische Armee zunichtezumachen. Zwar verfüge sie über mehrere Stützpunkte auf der Krim, könne diese aber kaum noch für Angriffe nutzen.

Für die Bewohner der Krim ist es das erste Mal seit Beginn der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, dass sie mit Engpässen bei der Energieversorgung konfrontiert sind. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt der 72 Jahre alte Alexander aus Moskau, der derzeit im Südosten der Krim lebt. Er berichtet von nächtlichen Explosionen.

Harte Zeiten für die Russen

Die Angriffe machen auch anderen Krim-Bewohnern Angst. „An Schlaf ist nicht zu denken“, sagt die 23-jährige Julia, die in der Krim-Hauptstadt Simferopol lebt. „Jede Nacht gibt es Drohnen und Sirenen.“ Die Folgen der Energieknappheit bekommt auch Julia zu spüren. Die Taxipreise „sind in die Höhe geschossen“, sagt sie. Einigen ihrer Freunde im Baugewerbe seien die Aufträge ausgegangen – und das in der Hauptsaison, in der normalerweise zahlreiche russische Touristen Straßen und Strände füllen.

Die ständigen Attacken machen auch Swetlana zu schaffen, die in Feodossija im Osten der Halbinsel lebt. Sie habe gedacht, sterben zu müssen, erzählt sie in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. „Wir hatten Angst, nie wieder wach zu werden. Wir haben die ganze Nacht gebetet. Am Himmel sah es aus wie bei ‚Star Wars‘.“

Die Lage auf der Krim bedeutet vor allem für den russischen Präsidenten Wladimir Putin einen herben Dämpfer – schließlich bezeichnet er die Halbinsel immer als unverzichtbaren Teil Russlands, der unter keinen Umständen an die Krim zurückgegeben werden könne.

Doch selbst seine Unterstützer sehen die Lage zunehmend kritisch. Der Künstler Wadim Zyganow, der den Einmarsch in der Ukraine immer lautstark verteidigt hat, klagte zuletzt über die Machtlosigkeit der russischen Armee gegen die ukrainischen Drohnenangriffe. „Den Russen stehen harte Zeiten bevor“, warnt er.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 26.06.202621:22 Uhr

Diese Erfolge werden die Ukraine bestärken, weiter zu kämpfen solange bis Russland endlich FRiedensverhandlungen zustimmen wird oder in Panik seine taktischen Atomwaffen einsetzen wird....

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