Analyse von außen

Aus Spaß geführte Kriege sind nicht zu gewinnen

Abgesehen von den moralischen, rechtlichen und politischen Argumenten, die gegen einen Angriff der Vereinigten Staaten auf den Iran sprechen, lässt sich der jüngste Krieg von US-Präsident Donald Trump aus einem prinzipielleren Grund nicht gewinnen: Er beruht nämlich auf einer Laune.

Donald Trump ohne glaubwürdige Erklärung für Angriff auf Iran, politische Unsicherheit und internationale Spannungen

Trump hat noch keine glaubwürdige Erklärung für einen Angriff auf den Iran geliefert Foto: AFP/Alex Brandon

Kriegsplanung folgt einer bestimmten Logik. Ein zentrales Interesse, wie etwa der Schutz der Bürger oder der nationalen Sicherheit, veranlasst politische Führungen zur Ausarbeitung einer politischen Strategie, um dieses Ziel in einem bestimmten Teil der Welt zu erreichen. Wie Carl von Clausewitz in berühmten Worten formulierte: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Politik führt oftmals zu einer Strategie, einem Gesamtplan für den Sieg, in dem die anzuwendenden Taktiken festgelegt werden. Eine Operation ist eine konkrete Aktion in einem bestimmten Umfeld, deren Erfolg von den erforderlichen Fähigkeiten abhängt, darunter Personal und Waffen.

Die Logik verläuft vorwärts und rückwärts, als Konzeption und als Überprüfung.

Bei der Konzeption bestimmt jeder Punkt den nächsten: Das Interesse bestimmt die Politik, die Politik bestimmt die Strategie, die Strategie bestimmt die Taktik, die Taktik bestimmt die Operationen und die Operationen bestimmen die Fähigkeiten. Bei der Überprüfung kehrt sich der Prozess um: Verfügen wir über die Fähigkeiten, diese Operation durchzuführen? Entspricht die Operation der Taktik? Passt die Taktik zur Strategie? Lässt sich mit der Strategie die Politik umsetzen? Entspricht die Politik dem nationalen Interesse?

Natürlich ist Krieg ein blutiges, unvorhersehbares Chaos. Konflikte können außer Kontrolle geraten, und oft reagiert der Feind auf schwer vorhersehbare Weise. Selbst Führungspersonen verstehen manchmal nicht, was gerade geschieht. Trump beispielsweise bekommt – anstatt sich informieren zu lassen – reißerische zweiminütige Zusammenschnitte von „Dingen, die im Iran in die Luft fliegen“ vorgezeigt.

Wenn es den Entscheidungsträgern nicht gelingt, ein nationales Interesse zu definieren, kann ein Krieg nicht gewonnen werden, denn der Sieg erfordert ein Kriegsziel

Zwar reicht militärische Planung allein nicht aus, um einen Krieg zu gewinnen, doch ist sie zweifellos notwendig. Wenn es den Entscheidungsträgern nicht gelingt, ein nationales Interesse zu definieren, kann ein Krieg nicht gewonnen werden, denn der Sieg erfordert ein Kriegsziel. Das haben die USA in ihrem Krieg gegen den Iran nicht. Stattdessen bestimmten ausschließlich militärische Fähigkeiten den Kurs. Es war möglich, iranische Führer zu töten, also tat die Trump-Regierung genau das.

Der Militäranalyst B.A. Friedman argumentiert, dass die US-Führung bei der Entscheidung über einen Angriff auf den Iran die Logikkette umgekehrt habe, und zwar ausgehend von der Vorstellung, dass Fähigkeiten erfolgreiche Operationen ermöglichen würden, genügend Operationen sich zu einer Taktik zusammenfügen würden und so weiter. Aber nur weil die US-Regierung alles bombardieren kann, was sie will, heißt das nicht, dass dies im nationalen Interesse liegt.

Trump hat noch keine glaubwürdige Erklärung für einen Angriff auf den Iran geliefert. Die einzig konsistente Botschaft ist Belustigung. Die Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro in Venezuela war aufregend, und Trump rief in der Fernsehsendung „Fox & Friends“ an, um darüber zu sprechen, wie schön es wäre, diese Erfahrung noch einmal zu machen. Nun sagt er, der Krieg im Iran mache „Spaß.“ US-„Kriegsminister“ (Verteidigungsminister) Pete Hegseth verwendet ähnliche Begriffe.

Trump und Hegseth finden Befriedigung darin, andere Menschen zu töten oder zu beherrschen

Nennen wir es das Lustprinzip: Trump und Hegseth finden Befriedigung darin, andere Menschen zu töten oder zu beherrschen. Trotz aller Bemühungen seitens der Kommentatoren, eine politische Rechtfertigung zu finden, ist das Ganze nichts weiter als eine reine Laune.

Da er mit dem Lustprinzip begonnen hat, ist Trump wie ein Amateur-Glücksspieler in einem Kreislauf aus Höhen und Tiefen gefangen. Es fühlte sich gut an, in der Islamischen Republik einen Enthauptungsschlag durchzuführen, aber als der Iran sich daraufhin nicht ergab, sondern den Krieg ausweitete und die Straße von Hormus blockierte, fühlte es sich schlecht an. Nun müssen die USA „den Einsatz erhöhen“ (man beachte den Spielerjargon), um Trump einen weiteren kurzfristigen Lustschub zu verschaffen. Jedes High ist schwerer zu erreichen als das vorherige.

Legt man rechtliche Grenzen, ethische Maßstäbe und demokratische Prinzipien an das nicht vorhandene Kriegskonzept der Trump-Regierung an, wird deutlich, dass das Vergnügen eines einzelnen Mannes alle anderen Erwägungen verdrängt hat. Zunächst einmal führen die USA ganz klar einen illegalen Angriffskrieg. Darüber hinaus wurde kein moralischer Grund dafür genannt, die internationale Ordnung zu gefährden, geschweige denn iranische Zivilisten zu töten. Und Trump hat keine Zustimmung des Kongresses eingeholt, der das amerikanische Volk vertritt und gemäß der Verfassung die alleinige Befugnis zur Kriegserklärung besitzt.

Zwar können die USA die Islamische Republik schwächen, doch können sie den Krieg nicht gewinnen, da sie um nichts kämpfen

Zwar können die USA die Islamische Republik schwächen, doch können sie den Krieg nicht gewinnen, da sie um nichts kämpfen. Ihre Fähigkeiten sind zu einer Falle geworden. Und andere haben begonnen, von Trumps Lustprinzip zu profitieren. Menschen in seinem Umfeld scheffeln Geld, während Trumps Gönner, der russische Präsident Wladimir Putin, in der Tat sehr gut damit fährt. Trump könnte sogar versuchen, den Konflikt mit dem Iran als Vorwand für eine Einflussnahme auf die Zwischenwahlen zu nutzen.

Moralische, rechtliche und demokratische Überlegungen hätten diese typische Form der Tyrannei verhindern können, im Rahmen derer ein Anführer seine unkontrollierte Macht nutzt, um einen Gegner zum Vergnügen dieses Anführers anzugreifen. Für die Menschen in Amerika wäre der einzige Sieg in diesem Krieg die Wiederherstellung der Prinzipien und Institutionen, die ihn verhindert hätten.

(Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier)

* Timothy Snyder ist erster Lehrstuhlinhaber für moderne europäische Geschichte an der Munk School of Global Affairs and Public Policy der Universität Toronto, Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und Autor oder Herausgeber von 20 Büchern.

Copyright: Project Syndicate, 2026.

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