Umfrage
Ansehen der USA in Europa stürzt ab
Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz, die am 13. Februar beginnt, verdeutlichen neue Umfragedaten, wie groß der Vertrauensverlust gegenüber den USA inzwischen ist: Das Ansehen der Vereinigten Staaten ist in Westeuropa so schlecht wie seit Beginn entsprechender Erhebungen im Jahr 2016 nicht mehr. Besonders deutlich fällt der Vertrauensverlust in Deutschland aus.
Viele Menschen in Europa sehen mittlerweile schwarz, wenn sie an die USA denken Foto: Brendan Smialowski/AFP
Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des in London ansässigen internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, das regelmäßig politische Stimmungsbilder in Europa erhebt. Die Originalstudie liegt dem Tageblatt vor. Befragt wurden Bürger in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Dänemark.
Wie stark sich die Stimmung verschoben hat, zeigt besonders das Beispiel Deutschland: Nur noch 21 Prozent äußern ein positives Bild der USA – vor anderthalb Jahren, unter Präsident Joe Biden, war es mehr als die Hälfte.
Auch in den anderen untersuchten Ländern ist das Image der Vereinigten Staaten deutlich gesunken. Am größten ist der Vertrauenseinbruch in Dänemark, wo nur noch elf Prozent ein positives Bild äußern. Vor dem Hintergrund des Streits um Grönland, das als autonomes Gebiet zu Dänemark gehört und von Washington beansprucht wurde, überrascht dieser Wert kaum.
Doch es geht nicht nur um Sympathiewerte. In Deutschland sehen nur noch 41 Prozent die USA als Freund, Verbündeten oder zumindest als „freundlichen Rivalen“. Fast ebenso viele stufen Amerika inzwischen als unfreundlich oder feindlich ein. Vor rund drei Jahren lag der Anteil derjenigen, die die Vereinigten Staaten als grundsätzlich befreundet wahrnahmen, noch bei etwa 70 Prozent.
Die schlechten Imagewerte sind nur die eine Seite. Die Antworten der Befragten zeigen ein deutlich komplizierteres Bild. In nahezu allen untersuchten Ländern spricht sich eine relative Mehrheit dafür aus, Europas politische Unabhängigkeit stärker zu betonen – selbst wenn dies die transatlantische Allianz weiter belasten sollte.
Gleichzeitig glauben die meisten der Befragten, dass Frieden und Verteidigungsfähigkeit Europas weiterhin von den USA abhängen. Auch wirtschaftlich wird Amerika mehrheitlich als stärkere Macht wahrgenommen.
Mit anderen Worten: Viele Europäer wünschen sich mehr Unabhängigkeit – trauen sich aber nicht zu, ohne Washington auszukommen. Genau dieses Dilemma dürfte die Debatten auf der Sicherheitskonferenz in München bestimmen.
Kaum noch Rückkehr zu früheren Verhältnissen
Dabei ist die Ablehnung der USA keineswegs in allen Punkten eindeutig. Zwar wird Präsident Donald Trump persönlich in allen untersuchten Ländern überwiegend negativ bewertet. Doch in einzelnen Sachfragen teilen viele Europäer zentrale Argumente aus Washington. Mehrheiten zwischen 59 und 74 Prozent stimmen der Einschätzung zu, Europa sei bisher in Verteidigungsfragen zu abhängig von den USA gewesen.
Auch bei der Migrationspolitik zeigt sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung: In allen sechs untersuchten Ländern meint eine Mehrheit – zwischen 52 und 63 Prozent –, Europa habe zu viel Zuwanderung zugelassen.
Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Verunsicherung – vor allem in Deutschland. 41 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die amerikanische Außenpolitik dauerhaft verändert hat. Nur 39 Prozent erwarten eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen nach einem politischen Wechsel in Washington. Damit zeigt sich die deutsche Öffentlichkeit skeptischer als viele andere untersuchte Länder.
Für den Fall, dass das transatlantische Verhältnis weiter eskaliert oder völlig auseinanderbricht, sprechen sich 54 Prozent der Deutschen für eine stärkere politische Integration innerhalb der Europäischen Union aus. Zugleich wäre eine Mehrheit (56 Prozent) bereit, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.
Keine Handelsvorteile mehr für die USA
Doch sobald es um konkrete Forderungen aus Washington geht, ziehen viele Europäer eine klare Grenze. Lockerere Vorschriften gegen Hassrede – also gegen hetzerische oder diskriminierende Inhalte im Internet – finden keine Mehrheit. Hintergrund ist, dass Vertreter der US-Regierung Europa seit längerem vorwerfen, mit solchen Regelungen die Meinungsfreiheit zu stark einzuschränken. Auch Handelsabkommen mit weiteren Vorteilen für die USA oder zusätzliche finanzielle Beiträge für amerikanische Truppen in Europa stoßen überwiegend auf Ablehnung.
Was sich hier abzeichnet, ist mehr als eine Momentaufnahme. Auch wenn die Umfrage nur sechs Länder erfasst, spricht vieles dafür, dass sie einen breiteren Stimmungswandel in Westeuropa widerspiegelt. Das Vertrauen in die strategische Verlässlichkeit der USA galt über Jahrzehnte als Fundament europäischer Sicherheitspolitik.
Für die Erhebung befragte YouGov online zwischen dem 9. und 27. Januar 2026 insgesamt 2.224 Personen ab 18 Jahren in Deutschland, 2.046 in Großbritannien, 1.051 in Frankreich, 1.007 in Dänemark, 1.063 in Spanien und 1.050 in Italien.