Global Sumud Flotilla
Aktivisten: Israel entert letztes Boot der Gaza-Flotte
Israels Marine hat nun auch einen Nachzügler der bisher größten Gaza-Hilfsflotte abgefangen. Damit stoppte sie alle 42 Boote.
Dieser Screenshot aus einem Video der Global Sumud Flotilla soll zeigen, wie israelische Marinesoldaten eines der Boote der Flottille am frühen Donnerstag in der Nähe der Küste des Gazastreifens entern Foto: Uncredited/Global Sumud Flottilla/AP/dpa
Alle Boote der Gaza-Hilfsflotte mit pro-palästinensischen Aktivisten sind nach Angaben der Organisatoren von der israelischen Marine abgefangen worden. Mit der „Marinette“ sei das letzte verbleibende Schiff der sogenannten „Global Sumud Flotilla“ um 10.29 Uhr Ortszeit (09.29 MESZ) etwa 42,5 Seemeilen vor dem Gazastreifen abgefangen worden, erklärte die gleichnamige Organisation am Freitag in Online-Netzwerken. Die israelische Marine hatte zuvor erklärt, sie habe mehr als 400 Aktivisten festgenommen. In mehreren europäischen Städten kam es zu Protesten.
Das israelische Außenministerium äußerte sich auf AFP-Anfrage zunächst nicht zu den Angaben der Aktivisten zum Abschluss des Abfangeinsatzes.
Am Donnerstag hatte ein israelischer Regierungsvertreter erklärt, bei dem „etwa zwölfstündigen Einsatz“ zum Abfangen von 41 Booten des Konvois seien mehr als 400 Menschen festgenommen und sicher zum Hafen im südisraelischen Aschdod gebracht worden. Dort habe die Polizei ihre Personalien aufgenommen. Die Marine habe „einen groß angelegten Überfallversuch von hunderten Menschen an Bord von 41 Schiffen“ vereitelt.
„Professionell und effizient ausgeführt“
Die humanitäre Bewegung „March to Gaza Luxembourg“ schreibt in einer Pressemitteilung vom Freitagmittag: „Die Geiseln wurden in ein Gefängnis nahe der ägyptischen Grenze gebracht. Seit ihrer Entführung haben sie weder Wasser noch Essen erhalten.“ Diese Informationen lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Spezifische Neuigkeiten zur letzten verbleibenden Teilnehmerin aus Luxemburg, Nora Rosa Fellens Huberty, gebe es keine.
Vorzeitiger Abbruch
Der zweite Luxemburger Aktivist Abdessmad Taqui musste seine Reise am 25. September abbrechen, da das Schiff „Mawal“ einen Mastbruch erlitt, der sich nicht rechtzeitig beheben ließ, um die restliche Flotte einholen zu können. Er trat noch an dem Abend die Rückreise nach Luxemburg mit Luxair an, heißt es in einer Mitteilung von „March to Gaza Luxembourg“ vom 29. September.
Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) erklärte, unter den Festgenommenen seien auch „mehr als 20 internationale Journalisten“. RSF schrieb in einer Erklärung von einer „illegalen Festnahme“ und forderte die „unmittelbare Freilassung“. Demnach befanden sich auf der Flottille Journalisten der spanischen Tageszeitung El País, des staatlichen katarischen Sendernetzwerks Al-Dschasira, der italienischen und türkischen Rundfunkanstalten Rai und TRT sowie eine Reporterin der französischen Tageszeitung L'Humanité.
Die Global Sumud Flotilla erklärte im Onlinedienst X: „Alle unsere festgenommenen Aktivisten befinden sich derzeit im Hafen von Aschdod, sind bei guter Gesundheit und in Sicherheit.“ Unter den Aktivisten befinden sich laut einem türkischen Sprecher 48 Türken. Die griechischen Organisatoren teilten mit, dass elf griechische Aktivisten aus Protest gegen ihre „illegale Festnahme durch die israelischen Behörden“ in den Hungerstreik getreten seien.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu lobte unterdessen seine Seestreitkräfte. Die Soldaten und Kommandeure der Marine hätten ihre Mission „auf höchst professionelle und effiziente Weise ausgeführt“, erklärte er. „Ihre wichtige Aktion hat dutzende Schiffe daran gehindert, in das Kriegsgebiet vorzudringen, und eine Kampagne zur Delegitimierung Israels abgewehrt.“
Dieses Bild aus einem von der „Global Sumud Flotilla“ veröffentlichten Video soll israelische Marinesoldaten an Bord eines der Boote der Flottille zeigen FOto: Uncredited/Global Sumud Flottilla/AP/dpa