Frankreich
Äußerst seltener Feuersturm ist kaum zu kontrollieren
Ein von Waldbränden erzeugter Feuersturm, der eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt: Das Pyrocumulonimbus genannte Phänomen ist der Feuerwehr zufolge nun zum ersten Mal überhaupt in Frankreich aufgetreten – bei den verheerenden Waldbränden im Südwesten des Landes.
Wenn sich das Feuer der Kontrolle der Feuerwehrleute entzieht Foto: Romain Perrocheau/AFP
Die auch als Cumulonimbus flammagenitus bezeichnete Wolke entsteht, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt, oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen. Oft schießen sogar Blitze aus der Wolke zu Boden und es entsteht ein grollendes Geräusch.
Die feuerspeienden Drachen, wie sie die NASA bezeichnet, wurden bisher hauptsächlich bei Vulkanausbrüchen und riesigen Bränden in Australien und Kanada beobachtet. Während das Phänomen dort immer wieder auftritt, ist es in Frankreich „beispiellos“, sagt Feuerwehrsprecher Eric Brocardi der Nachrichtenagentur AFP.
Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, unter anderem, weil die Winde ständig die Richtung wechseln, erklärt Brocardi. „Die Folge ist, dass es sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht.“
Wenn nur noch „Stoizismus“ hilft
Brocardi zufolge gibt es dann nur zwei Auswege. Entweder es kommt Regen auf, „wobei es drei Tage lang heftig schütten müsste“. Oder „wir finden einen Weg, das Feuer an einen Ort zu lenken, an dem es von selbst erlischt – zum Beispiel am Meer“.
Bei der Feuerwolke im Südwesten Frankreichs könnten sich die Feuerwehrleute nur noch zurückziehen, führt Brocardi aus. „Wir müssen anerkennen, dass sich diese Naturgewalt unserer Kontrolle entzieht. Es ist ein kriegsähnliches Szenario, bei dem wir ständig unter Beschuss sind und uns alle in Sicherheit bringen müssen.“
Dann helfe nur „Stoizismus“, erklärt Brocardi. Außerdem könne die Feuerwehr neben der direkten Brandbekämpfung viel tun – zum Beispiel strategisch wichtige Punkte verteidigen und Tiere vor den Flammen in Sicherheit bringen.