Ukraine

Acht Tote in Kiew nach russischen Angriffen – Budapest verurteilt Angriffe

Die Zahl der Toten in Kiew nach nächtlichen russischen Drohnenangriffen steigt weiter. Ein neuer Wind weht dagegen aus Budapest: Die frisch ernannte Außenministerin zeigt klare Kante – und bestellt den russischen Botschafter ein.

Ukrainische Rettungskräfte bergen Opfer nach Beschuss eines Wohnhauses in Kiew, Einsatzkräfte vor Ort in Notfallsituation

Ukrainische Rettungskräfte bei der Bergung mehrerer Opfer, nachdem ein Wohnhaus in Kiew getroffen wurde Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Die Zahl der Todesopfer in Kiew nach den nächtlichen russischen Drohnen- und Raketenangriffen ist nach Angaben von Kiews Militärverwalter Tymur Tkatschenko auf acht gestiegen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb davor bei Telegram, dass ein Wohnblock praktisch zerstört worden sei. Das Schicksal von fast 20 Personen, die womöglich in dem Gebäude waren, sei unbekannt. Unter den Toten ist nach Behördenangaben auch eine Minderjährige, zudem wurden rund 40 Menschen in der ukrainischen Hauptstadt verletzt.

Landesweit habe das russische Militär 180 Objekte beschädigt, davon seien 50 ganz gewöhnliche Wohnhäuser, teilte Selenskyj mit. Neben Kiew hat es seinen Angaben nach auch das Umland der Hauptstadt mit sieben Verletzten, Charkiw mit 28 Verletzten und das Gebiet Odessa mit zwei Verletzten schwer getroffen.

Schon am Vortag hatte Russland mit mehr als 800 eingesetzten Drohnen eine der schwersten und am längsten anhaltenden Attacken auf die Ukraine seit Kriegsbeginn geführt. Die Angriffe folgten kurz nach einer dreitägigen Waffenruhe rund um einen Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und einer Militärparade auf dem Roten Platz. Eine von Kiew vorgeschlagene Verlängerung der Feuerpause lehnte Moskau ab. Selenskyj kritisiert immer wieder den russischen Beschuss ziviler Ziele und fordert mehr Druck auf Moskau.

Neue Töne von Außenministerin Orban

Dem kommt Ungarns neue Außenministerin Anita Orban kurz nach ihrer Ernennung nach. Sie habe den russischen Botschafter in Budapest einbestellt, teilte die Politikerin der bürgerlichen Tisza-Partei auf ihrer Facebook-Seite mit. Sie habe ihm gesagt, dass die ungarische Regierung diese Angriffe aufs Schärfste verurteile. „Wir erwarten (von Russland) die unverzügliche Einstellung der Aggression gegen Zivilisten“, fügte Orban hinzu.

Die Ministerin, die mit dem abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orban nicht verwandt ist, trat ihr Amt am Dienstag an. Nach dem überwältigenden Sieg der Tisza-Partei bei der Parlamentswahl am 12. April hatte die Volksvertretung deren Vorsitzenden Peter Magyar am letzten Samstag zum Ministerpräsidenten gewählt.

Ungarn grenzt im Osten an die ukrainische Region Transkarpatien. Dort leben nach ungarischen Angaben bis zu 100.000 ethnische Ungarn. Der Rechtspopulist Viktor Orban hatte Russland auch nach dessen Vollinvasion in der Ukraine 2022 so gut wie nie kritisiert.

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