Krieg im Iran

300 Luxemburger in Nahost gestrandet – Luxair stoppt Flüge bis auf Weiteres, Außenministerium sucht nach Lösungen

Nach der Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran warnt Außenminister Xavier Bettel vor einem Flächenbrand in der Region. Das Außenministerium zählt rund 300 Luxemburger im Nahen Osten und rät Betroffenen, vorerst in den Hotels zu bleiben. Luxair hat Flüge am 3. und 4. März gestrichen und bereitet Evakuierungsoptionen vor – sobald der Luftraum sich wieder öffnet.

Porträtfoto von Gilles Feith, André Biever und Xavier Bettel stehend nebeneinander bei offizieller Veranstaltung

(V.l.n.r.:) Gilles Feith, André Biever, Xavier Bettel Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran hat sich nach Darstellung der Luxemburger Regierung längst über Iran hinaus in die Region ausgedehnt. Außenminister Xavier Bettel (DP) sagte am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz, dass er am Wochenende in Kontakt mit den Außenministern von Katar, Jordanien, Saudi-Arabien und den Emiraten gestanden habe. Alle diese Länder wurden in den letzten Stunden von iranischen Raketen getroffen.

Im Rat der EU-Außenminister habe es auf Initiative der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas Gespräche gegeben, eine gemeinsame europäische Position werde jedoch von Budapest blockiert. In einer Lage, in der sich „heute etwas sagen lässt und morgen schon wieder etwas anderes gilt“, gehe es nun auch ganz konkret darum, Luxemburger aus der Region in Sicherheit zu bringen.

André Biever, Direktor für konsularische Angelegenheiten im Außenministerium, bezifferte die Zahl der Luxemburger im Nahen Osten auf rund 300. Zugleich seien etwa 500 Luxair-Kunden von dem Krieg insofern betroffen, als sie nicht mehr ausreisen können. Das Problem: Der Luftraum ist in weiten Teilen gesperrt, die Ausreise sei „nicht einfach“. Laut Biever sei nur der Raum über dem Oman noch offen, doch auch dort habe es wegen amerikanischer Militärbasen Angriffe gegeben. Die Situation könne sich also jederzeit ändern.

„Ziemlich pragmatische Luxemburger“

Im Außenministerium wurde eine Krisenzelle eingerichtet, die konsularische Assistenz sei erreichbar. Laut Biever habe man bereits rund 160 Luxemburger vor Ort kontaktiert. Viele Betroffene reagierten „ziemlich pragmatisch“. Die Botschaft der Behörden bleibt jedoch klar: Keine Aktionen, die unnötig Risiken erhöhen. Wer in den Golfstaaten oder der weiteren Krisenregion festsitzt, solle dort bleiben, wo er ist, die Anweisungen der lokalen Behörden befolgen und sich laufend informieren.

Aus den Emiraten habe man zudem das Signal erhalten, dass Reisende vorerst in ihren Hotels bleiben könnten. Biever fasst die Lage drastisch zusammen: Nicht versuchen, jetzt um jeden Preis wegzukommen – der sicherste Ort sei aktuell das Hotel. Biever rät unterdessen dringend allen Luxemburgern im Ausland, sich bei LamA (siehe Kasten) zu registrieren. Dieser Dienst des Außenministeriums soll es der Regierung ermöglichen, Luxemburger in Not rasch zu kontaktieren und ihre Rückführung zu organisieren.

Was ist LamA?

LamA („Lëtzebuerger am Ausland“) ist die Reiseplattform des luxemburgischen Staates (guichet.lu/lama), auf der Bürger ihren Aufenthalt im Ausland registrieren können. Das erleichtert dem konsularischen Dienst im Krisenfall die Kontaktaufnahme und die Einschätzung, wer wo Hilfe braucht – besonders wichtig auch für Reisende, die nicht mit Luxair fliegen, sondern etwa über andere Airlines oder Drehkreuze in der Region unterwegs sind.

Luxair bucht Hotelzimmer für Kunden

Parallel dazu steht Luxair in engem Kontakt mit Passagieren, die insbesondere in Abu Dhabi festsitzen. CEO Gilles Feith sagte, die Unsicherheit sei groß, die Airline halte aber „permanent“ Verbindung zu den Menschen vor Ort und stehe im Austausch mit der Regierung. Feith lobte ausdrücklich die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den öffentlichen Stellen, aber auch die Solidarität der Luxair-Mitarbeiter, von denen am Wochenende über 100 freiwillig gearbeitet hätten.

Am Samstag sei ein Flug aus Sicherheitsgründen umgedreht worden. Feith betont, die Sicherheit von Passagieren und Crews habe absolute Priorität. Für den 3. und 4. März wurden geplante Flüge annulliert. Der Luxair-CEO verwies auf klare Vorgaben der europäischen Luftfahrtbehörde EASA: Europäischen Airlines wird derzeit davon abgeraten, in den Luftraum im Nahen Osten einzufliegen. Betroffene Passagiere sollten ihre Aufenthalte mindestens bis zum 5. März verlängern.

Wer bis zum 8. März gebucht habe, könne umbuchen. Bei Pauschalreisen sei auch ein Wechsel des Reiseziels möglich. Luxair habe eine Notfall-Hotline sowie eine E-Mail-Adresse eingerichtet.

Evakuierungsflüge bereite Luxair zwar vor, sie kämen aber nur infrage, wenn der Luftraum sich wieder öffne und die zuständigen Behörden grünes Licht gäben. Feith betonte zudem, man würde sich an einer europäischen Lösung beteiligen, falls EU-Partner koordinierte Rückholmaßnahmen aufsetzen. Sobald der Luftverkehr wieder anlaufe, rechne man zudem mit „Ripple Effects“: Verspätungen und Kapazitätsengpässe müssten erst abgearbeitet werden. Die Luxair habe deshalb auch 50 Hotelzimmer in den Emiraten gebucht, um die Reisenden unterzubringen.

Lage bleibt heikel

Politisch bleibt die Lage laut Bettel brandgefährlich. Er betonte, niemand weine dem getöteten Ali Chamenei nach. Iran sei mit seinem Raketen- und Nuklearprogramm eine Bedrohung und unterstütze zudem Russland im Krieg gegen die Ukraine. Gleichzeitig stünden die Angriffe der USA und Israels aus seiner Sicht nicht im Einklang mit dem internationalen Recht. Wie es weitergehe, sei offen: Ob die Revolutionsgarden an der Macht blieben, wisse niemand, und es gebe „genug Fanatiker auf der Ersatzbank“.

Die iranischen Vergeltungsschläge gegen Nachbarländer seien inakzeptabel und zielten darauf, Chaos zu stiften. Das Ziel sei es, die Eskalationsspirale so weit zu drehen, dass Israel und die USA dem internationalen Druck nachgeben müssen. In genau diesem Spannungsfeld versuche Luxemburg, die eigenen Bürger zu versorgen, sie aus der unmittelbaren Gefahrenzone herauszuhalten und zugleich diplomatisch für Deeskalation zu werben.

1 Kommentare
Heini 02.03.202609:18 Uhr

Dem bloen Bettel seng Kompetenz ass gefroot.
Nett laaberen mais handelen.

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