Naher Osten
25 Länder fordern sofortiges Ende des Krieges im Gazastreifen
25 Länder, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien und Luxemburg, haben ein sofortiges Ende des Krieges im Gazastreifen gefordert. Unterdessen hat das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) vor den Folgen des israelischen Evakuierungsbefehls im Zentrum des Gazastreifens für die dortigen Hilfsleistungen gewarnt.
An der Grenze zum Gazastreifen warten israelische Panzer auf ihren Einsatz im Kriegsgebiet Foto: AFP/Jack Guez
Das Leiden der Zivilbevölkerung in dem Palästinensergebiet habe „ein neues Ausmaß erreicht“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Staaten vom Montag. „Wir fordern die Parteien und die internationale Gemeinschaft auf, sich in gemeinsamen Anstrengungen zu vereinen, um diesen schrecklichen Konflikt durch eine sofortige, bedingungslose und dauerhafte Waffenruhe zu beenden“, erklärten die 25 Staaten weiter, zu denen auch die Schweiz und Neuseeland gehören.
Die Staaten bezeichneten die von Israel unterstützten Hilfsmaßnahmen im Gazastreifen als „gefährlich“. Diese nähmen den Menschen in dem Küstenstreifen ihre „Menschenwürde“.
„Die Verweigerung lebenswichtiger humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung durch die israelische Regierung ist inakzeptabel“, erklärten die 25 Staaten und forderten Israel auf, „seinen Verpflichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht nachzukommen“. Die israelische Regierung müsse die Beschränkungen bei den Hilfslieferungen „unverzüglich“ aufheben und den Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen ermöglichen, ihre Arbeit „sicher und effektiv“ zu leisten.
Nach jüngsten UN-Angaben wurden seit Ende Mai 875 Menschen im Gazastreifen bei dem Versuch getötet, Lebensmittel von der durch die USA und Israel unterstützten Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) zu beschaffen. Die GHF hat die UN-Behörden als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst.
In der Erklärung der 25 Staaten wird außerdem die „sofortige und bedingungslose Freilassung“ der nach wie vor von der Hamas festgehaltenen Geiseln gefordert.
UNO: Evakuierungsbefehl verheerend für Hilfsleistungen
„Der Massenvertreibungsbefehl der israelischen Armee ist ein weiterer verheerender Schlag gegen die bereits zerbrechlichen Lebensadern, welche die Menschen im Gazastreifen am Leben halten“, erklärte unterdessen das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten, OCHA. UN-Mitarbeiter würden in dem Gebiet verbleiben.
Die UN-Organisation rief zum Schutz aller zivilen Infrastruktur in dem Gebiet auf. Angriffe auf Krankenhäuser, Wasserinfrastruktur und Hilfszentren würden „lebensbedrohliche Folgen haben“. OCHA erklärte, die Koordinaten seiner Mitarbeiter mit „relevanten Parteien“ geteilt zu haben.
Die israelische Armee hatte zuvor die Ausweitung seines Einsatzes auf das Zentrum des Gazastreifens um die Stadt Deir al-Balah verkündet. In einer auf Arabisch veröffentlichten Mitteilung rief der israelische Armeesprecher Avichay Adraee die in dem betroffenen Gebiet lebenden Palästinenser auf, sich an der Mittelmeerküste in der weiter südlich gelegenen Region Al-Mawasi in Sicherheit zu bringen. Al-Mawasi war von Israel als „humanitäre Zone“ ausgewiesen worden.
Nach Angaben von OCHA befanden sich zum Zeitpunkt des Evakuierungsbefehls zwischen 50.000 und 80.000 Menschen in dem Gebiet. Damit lägen nun 87,8 Prozent der gesamten Fläche des Gazastreifens in Gebiet, das zur Evakuierung ausgerufen oder vom Militär besetzt ist. Dadurch würden „2,1 Millionen Zivilisten in ein zersplittertes Gebiet von zwölf Prozent des Gazastreifens gezwängt, in dem grundlegende Dienstleistungen zusammengebrochen sind“, teilte die UN-Organisation mit.
Mittlerweile wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 59.000 Menschen im Gazastreifen getötet. (AFP/Red.)