Läuft alles perfekt, sind am Samstag die Luxemburger Nummer sechs und sieben
in der Bundesliga im Einsatz: Der Kapitän der Nationalmannschaft, Laurent Jans, wird mit seinem neuen Arbeitgeber, dem SC Paderborn 07, um den Klassenerhalt kämpfen. Zumindest offiziell verfolgt Leandro Barreiro das gleiche Saisonziel mit dem 1. FSV Mainz 05.

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1. FSV Mainz 05

In den deutschen Medien wurde trotz der 0:2-Pokalniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern nämlich bereits darauf spekuliert, dass diese Tiefstapelei – übrigens seit dem Aufstieg 2008/09 – nicht den Qualitäten des Kaders entspreche: „Saisonziel ist in Mainz wie immer nur der Klassenerhalt. Doch das erscheint dieses Jahr maßlos untertrieben. Selbst die Spieler sprechen darüber, dass sie auf Platz zwölf der Vorsaison aufbauen und jetzt mehr wollen“, analysierte die Bild am Sonntag. Das Auftaktprogramm hat es allerdings in sich: In Freiburg, gegen Gladbach und beim Meister FC Bayern, so sehen die anspruchsvollen ersten Wochen aus.

Gerade deshalb wollen die Mainzer Vereinsbosse keine falschen Erwartungshaltungen aufkommen lassen. Stefan Bell, stabiler Innenverteidiger, hat sich im DFB-Pokal verletzt und wird länger ausfallen. Genauso schwer fällt der Ausfall von Jean-Philippe Mateta ins Gewicht. Da die beiden vielversprechenden Neuzugänge Ronael-Pierre Gabriel (für vier Millionen von AS Monaco) und Ki Dong-won (ablösefrei vom FC Augsburg) aus den gleichen Gründen nicht zur Verfügung stehen, musste schnell gehandelt werden: Manager Rouven Schröder hat Jeremiah St. Juste (für 9 Millionen von Feyenoord) verpflichtet und einen Stürmer aus der Akademie von Liverpool ausgeliehen.

Eigentlich entsprechen diese aus der Not geborenen Transfers nicht der Lieblings-Philosophie des Klubs: Die interne Lösung wird bevorzugt. Mit Sandro Schwarz hat man einen Trainer, der vorher verschiedene Jugendmannschaften des FSV durchlief und somit weiß, wie man mit jungen Spielern umgehen soll – wie dem Luxemburger Leandro Barreiro.
Im November 2018 unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag mit Laufzeit bis 2022, im Februar folgte der erste Einsatz und ein paar Monate später der Schulabschluss. „Das waren eine neue Herausforderung und eine sehr intensive Saison. Die Schule kam ja auch noch dazu. Aber es hat Spaß gemacht“, erzählte er der Frankfurter Allgemeinen. Weniger Abiturstress bedeutet mehr Zeit für Regeneration und Kraftraum. „Damals war für mich alles neu, jetzt fühle ich mich im Team integriert, bin fester Teil der Mannschaft, ich fühle mich lockerer, bin auch freier im Kopf.“

Jean-Philippe Gbamin, einer der Leistungsträger und direkten Konkurrenten der letzten Saison, ist in diesem Sommer zum FC Everton gewechselt. Dadurch wurde ein Platz im Mittelfeld frei, der wiederum vom Schweizer Nationalspieler Edmilson Fernandes gefüllt wurde. Vor Saisonauftakt sieht es demnach wieder kompliziert für den Luxemburger Hoffnungsträger aus.

Schwarz lässt in einem 4-4-2-System spielen. Dabei stellt er vier zentrale Mittelfeldspieler in einer engen Raute auf. „Da gibt es auf jeden Fall Platz für ihn“, wurde der Coach im Mai bei ligainsider.de zitiert. Barreiro formulierte es gegenüber der Frankfurter Allgemeinen kämpferisch: „Ich versuche, im Training 100 Prozent zu geben. Wenn es reicht, dann reicht es, wenn nicht, muss ich eben noch etwas mehr arbeiten.“

SC Paderborn 07   

„Der größte Außenseiter aller Zeiten“ – mit diesem Titel präsentiert die Bild am Sonntag in ihrer Bundesliga-Beilage den Neuling mit dem Etat von 45 Millionen Euro (zum Vergleich: Der Umsatz des FC Bayern München beläuft sich auf 640,5 Millionen). „Der Aufsteiger wird bestimmt für die eine oder andere Überraschung sorgen. Aber der Klassenerhalt wäre eine Riesen-Sensation“, lautet die BamS-Prognose.

Der Star des Aufsteigers, dessen erstes Ziel der Klassenerhalt ist, heißt Trainer Steffen Baumgart. Von der dritten Bundesliga gelang unter dem 47-jährigen Coach ein Höhenflug (und zwei Aufstiege) – dank eines offensiven Hochgeschwindigkeitsfußballs. Das Torverhältnis der vergangenen Saison, 76:50, ist ein Indiz für die hohe Trefferquote, aber eben auch das große Risiko des Systems. Hohes Tempo, hohes Pressing und kurze Ballkontakte können dem Gegner immer wieder Räume geben. Das war nicht nur in der Vorbereitung (drei Gegentreffer gegen Bilbao, vier gegen Lazio Rom), sondern auch im Pokal gegen Rödinghausen (3:3 nach 120 Minuten) der Fall.

Jedes Mal stand dabei auch der Kapitän der Luxemburger Nationalmannschaft, Laurent Jans, auf dem Platz. „Er bringt jede Menge Tempo und Dynamik mit. Er ist in seinem Defensivverhalten unheimlich robust und hat dazu viel internationale Erfahrung. Er passt perfekt zu uns und wird unserem Spiel guttun“, urteilte Martin Przondziono vor Saisonaufakt in der Neuen Westfälischen über den zehnten Sommer-Neuzugang.
Doch spätestens nach dem DFB-Pokal kamen erste Fragen auf. Verteidiger Uwe Hünemeier meinte gegenüber dem Westfalenblatt: „Im Moment machen wir es den Gegnern zu einfach.“ Gleichzeitig erklärte er: „Der SC Paderborn wird nie ein Team sein, das alles verteidigt und keine Chancen zulässt. Das ist nicht unser Fußball und damit würden wir uns selbst auch zu viel Power rauben.“

Jans teilt sich den Rechtsverteidigerposten mit dem tunesischen Nationalspieler Mohamed Dräger. Die Vorbereitung verpasste Letzterer wegen seiner Nominierung für den Afrika Cup. Ein Plus für den Luxemburger – der allerdings bereits einen kleinen zusätzlichen Ansporn seitens des Klubmanagers Przondziono gespürt haben dürfte: „Ein wenig mehr Souveränität auf der einen oder anderen Position hätte ich mir schon gewünscht“, bemängelte dieser am Sonntag nach dem Elfmeterschießen. Für das Westfalenblatt war klar, dass der Neuzugang unter den betroffenen Kandidaten wiederzufinden sei. Heute könnte das in Leverkusen schon ganz anders aussehen. Jans hat mit den „Roten Löwen“ bekanntlich öfters schon überrascht.


Die sechs Luxemburger:

Jeff Strassers letzter Einsatz mit Borussia Mönchengladbach liegt fast 13 Jahre zurück. Der heutige Fola-Trainer kam für die Fohlen und den 1. FC Kaiserslautern auf 194 Partien (10 Tore) in der Bundesliga. Davor vertraten Manuel Cardoni (Bayer Leverkusen/1996-1998/1 Spiel, kein Tor), Roby Langers (Borussia Mönchengladbach/ 1980-1983/3 Spiele, kein Tor), Nico Braun (Schalke 04/1971-1973/35 Spiele, 14 Tore) und Antoine „Spitz“ Kohn (Karlsruher SC/1954-1958 – damals erstklassige Oberliga Süd/66 Spiele/32 Tore) die luxemburgischen Farben im Nachbarland. Barreiro war dementsprechend im Februar der jüngste Luxemburger, der in der höchsten deutschen Lliga zum Einsatz kam. del

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