Die Großtaten der britischen Rock-Legende Pink Floyd sind mittlerweile eine halbe Ewigkeit her: Das geradezu ikonische Album Dark Side Of The Moon erschien 1973, die düstere Rock-Oper The Wall 1979. Nach Trennung und teilweiser Wiedervereinigung erschienen dann noch zwei Alben, einen letzten Auftritt (fast) in Ur-Besetzung gab es 2005.

Doch mit dem Alter scheint die Lust am Musizieren nicht geringer geworden zu sein – im Gegenteil: In der jüngeren Vergangenheit waren alle drei noch lebenden Mitglieder der Band gleichzeitig auf Solopfaden unterwegs: David Gilmour macht erhaben-geschmackvollen Adult-Rock, der gerne mal Richtung Stratosphäre abhebt (und hat kürzlich mehr als 100 Gitarren für den guten Zweck versteigert). Drummer Nick Mason spielt im intimeren Rahmen die Songs der ganz frühen, psychedelischen Phase (und hat damit das Atelier begeistert).

Der Bassist Roger Waters feiert seinen wütenden Polit-Rock’n’Roll in dem größenwahnsinnigen Bombast, den die Band praktisch erfunden hat. Nachdem der langjährige Konzeptgeber und Texter von Pink Floyd im Rahmen seiner “The Wall”-Shows das Publikum rund um die Welt eingemauert und unter Stuka-Lärm und Maschinengewehrsalven gesetzt hat, folgte in den vergangenen Jahren die “Us and Them”-Tour: Dabei mixte er in einer ebenfalls gigantischen Bühnenshow Pink-Floyd-Klassiker mit Solosongs, die meist einen gemeinsamen roten Faden haben: Die Ungerechtigkeiten und Zumutungen der Welt, in der der Kapitalismus und der militärisch-industrielle Komplex die Menschen hindern, zueinander zu finden – oder zu sich selbst.

Seine wütenden Tiraden und sein Engagement für die BDS-Bewegung, die den kulturellen Boykott Israels fordert, haben Waters mehr als einmal den Vorwurf eingebracht, zumindest ein struktureller Antisemit zu sein.

Vor wenigen Tagen hat Waters erst seinen legendären Furor gegen Twitter gerichtet, weil ein Account von Unterstützern des Whistleblowers Julian Assange gesperrt worden war.

Die “Us and Them”-Tour lässt er jetzt auch in einem Konzertfilm wiederaufleben. Wie schon bei dem Film zu “The Wall” (und beim Konzertfilm seines alten Bandkumpanen David gilmour) gibt es nur kurz die Gelegenheit, den Film im Kino zu sehen: In Luxemburg läuft der 145-Minuten-Streifen lediglich am Mittwoch, 2.Oktober, im Kinepolis auf dem Kirchberg und im Cinescala in Diekirch. fgg

 

1 Kommentar

  1. Tolle Formulierungsgabe – und sehr scharfsinnig. Da steckt mehr in und hinter diesen Worten, als nur Worte. Und zugleich irgendwie ausgeglichen und ausgewogen, nicht ganz schwarz, nicht ganz weiss, nicht nur grau, sondern sogar auch bunt, mit Schwarz auf Weiss.

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