Wirtschaftliche Folgen
Wieso die Pandemie den europäischen Sport härter trifft als den US-Sport
Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für den Profisport werden groß sein. Einem Experten zufolge wird der europäische Sport dabei härter getroffen als der US-Sport. Die Gründe sind struktureller Natur.
In den US-Ligen leben Vereine nicht dermaßen über ihren Verhältnissen wie in den großen europäischen Ligen Foto: AFP
Europa wagt die ersten Schritte aus dem Lockdown. Der Druck der großen Sportligen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, wird gleichzeitig immer größer. Die Corona-Krise hat einen enormen Einfluss auf den Profisport, vor allem in Europa. Laut Prof. Dr. Christoph Breuer vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement von der Deutschen Sporthochschule Köln reichen die Gehaltskürzungen in der Bundesliga nicht aus. „Sogar wenn die Bundesliga-Saison mit Geisterspielen fortgesetzt wird, müssten die Spieler Gehaltskürzungen von 40 Prozent in Kauf nehmen, damit die Vereine nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Sollte die Saison abgesagt werden, wären sogar Kürzungen von 80 Prozent nötig.“
Breuer zufolge trifft die Corona-Pandemie den europäischen Profisport härter als beispielsweise den US-Sport. Dabei könnte ist der Sport doch nirgends so stark kommerzialisiert als in den USA. Breuer führt vor allem strukturelle Gründe für seine These an. Im europäischen Fußball zum Beispiel leben viele Vereine über ihren Verhältnissen. Man investiert in den sportlichen Erfolg. „Vereine geben Geld für eine Mannschaft aus, die sich zum Beispiel für den internationalen Wettbewerb qualifizieren oder den Klassenerhalt schaffen soll. Wird das Ziel nicht erreicht, fehlen Einnahmen, mit denen man gerechnet hat“, so Breuer.
Die besten Ligen
Allerdings müssten Vereine diese Investitionen tätigen, um überhaupt eine Chance zu haben, ihre Zielsetzung zu erreichen. Nur kann nicht jeder sein Ziel erreichen. In den großen US-Ligen wie der NBA, MLB, NFL oder NHL ist es etwas anders. Man qualifiziert sich nicht für internationale Wettbewerbe und man kann auch nicht absteigen, da es sich um geschlossene Ligen handelt. Das ermöglicht den Vereinen eine langfristige Planung, die im europäischen System nicht so einfach durchzuführen ist.
Ein weiterer Grund ist laut Breuer die Konkurrenz zwischen den Ligen in Europa. „Wenn ich als Fußballspieler in der Bundesliga nicht das Gehalt bekomme, was ich mir vorstelle, kann ich immer noch in eine der anderen großen Ligen wechseln.“ Will ein Verein einen Spieler unbedingt verpflichten, muss er nicht nur gegen die nationale Konkurrenz, sondern auch gegen Vereine aus dem Ausland mitbieten. Das treibt die Preise in die Höhe. „Die großen US-Ligen sind ihrerseits die besten Ligen in ihrer jeweiligen Sportart. Da will jeder Baseballer, Basketballer oder Eishockeyspieler hin.“ Davon abgesehen haben Ligen wie die NBA einen Salary Cap, also eine Gehaltsobergrenze, die sie davor bewahrt, über ihren Verhältnissen zu leben.
Dennoch sagt Breuer, dass er selbst eher am europäischen Verständnis des Profisports hänge. Die offenen Ligen und der Kampf um den Klassenerhalt oder das internationale Geschäft steigern die Attraktivität. In diesem System wird Leistung belohnt, worum es letztendlich im Sport gehen soll. Doch dieses romantische Verständnis vom Profisport scheint seinen Preis zu haben. Vor allem in der Corona-Krise.