Fußball-EuropameisterschaftStark dank Schach: EM-Neuling Georgien setzt auf Geistesblitze

Fußball-Europameisterschaft / Stark dank Schach: EM-Neuling Georgien setzt auf Geistesblitze
Budu Siwsiwadse (hier gegen den Luxemburger Marvin Martins) ist einer der Hoffnungsträger der Kaukasen Foto: sportspress.lu/Jeff Lahr

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Budu Siwsiwadse schoss Georgien erstmals zur EM. Dabei hätte er auch Schachspieler werden können.

Budu Siwsiwadse beherrscht Schach noch immer, auch wenn der Play-off-Held von EM-Neuling Georgien nur noch selten zum Zug kommt. Immerhin, im Mai saß der Profi des Karlsruher SC sogar mit Nona Gaprindaschwili am Brett. Die 83-Jährige sei so etwas wie „Georgiens Franz Beckenbauer“, sagte er vor der Partie gegen die erste Großmeisterin der Geschichte. Nach bereits sieben Zügen einigten sich beide auf ein Remis.

Siwsiwadse ist seit seinem Doppelpack im Play-off-Halbfinale gegen Luxemburg (2:0) untrennbar mit der erstmaligen EM-Teilnahme Georgiens verbunden, ein ganzes Land blickt am Dienstag auf das Debüt gegen die Türkei (18.00 Uhr) in Dortmund. Dabei wäre der 30-Jährige, der vergangene Saison in der zweiten Liga zwölf Tore für Karlsruhe schoss, tatsächlich um ein Haar Schachspieler geworden.

Mit vier Jahren begann Siwsiwadse mit dem Spiel der Könige, das in Georgien in jedem Park auf Tischen zelebriert wird. Doch dann musste er sich entscheiden. „Meine Trainerin war sehr traurig, als ich ihr eröffnete, dass ich wegen des Fußballs mit Schach aufhöre. Sie sagte, sie werde es klaglos akzeptieren, wenn ich noch ein letztes Turnier bestreite. Ich verlor das Finale dann gegen ein Mädchen“, erzählte er während der Partie gegen Ex-Weltmeisterin Gaprindaschwili, das bei Youtube übertragen wurde.

Es war wohl eine gute Entscheidung, denn der kleine Budu machte Karriere. Dabei half auch die Erfahrung mit Türmen und Läufern. Er habe „einen besseren Blick für das Spielfeld und freie Räume, um wie eine gute Schachfigur am richtigen Platz zu stehen. Außerdem hilft mir Blitzschach dabei, blitzschnelle Entscheidungen im Strafraum zu treffen“, sagte Siwsiwadse, der auch bei der EM-Generalprobe gegen Montenegro zum 3:1-Endstand traf, dem Portal ChessBase.

Siwsiwadse hofft noch immer auf einen Wechsel zu einem großen Erstligisten, Tore bei der EM oder gar das Erreichen der K.o.-Runde würden ihm dabei helfen. Ausgeschlossen ist ein solcher Coup nicht, in Chwitscha Kwarazchelia vom SSC Neapel steht sogar ein internationaler Star im Aufgebot Georgiens.

Wobei: Zumindest am Schachbrett ist jener „Kwaradona“ im Vergleich mit Siwsiwadse eine kleine Nummer. Auch der Napoli-Star saß schon bei der 83 Jahre alten Gaprindaschwili am Brett, wie so viele georgische Sportstars. Siwsiwadse aber sei der „bisher beste“ gewesen, sagt Gaprindaschwili. Und sie muss es schließlich wissen. (SID)