Kosovo-Rebell

Der frühere Studentenführer Albin Kurti übernimmt wieder das Ruder

Die Regierungsbildung ist Kosovos Neu-Premier Albin Kurti problemlos geglückt. Doch die Herausforderungen seiner zweiten Regierungsmission scheinen noch größer als die sehr hohen Erwartungen seiner Anhänger.

Will nicht arrogant sein: Albin Kurti

Will nicht arrogant sein: Albin Kurti Foto: AFP/Armend Nimani

Vor sechs Jahren entzündete Albin Kurti noch Tränengasgranaten im Parlament. Nun mimt Kosovos Robin Hood erneut den Sheriff. Fast genau ein Jahr, nachdem der Chef der linksnationalen Vetevendosje (VV) per Misstrauensvotum schon nach wenigen Wochen aus dem Premier-Amt gehebelt wurde, hat Kosovos „ewiger Rebell“ am Dienstag wieder die Regierungsgeschäfte übernommen.

Er werde der „Premier aller Bürger“ und „nicht arrogant gegenüber der Opposition“ sein, hatte Kurti nach seiner zweiten Premier-Kür innerhalb eines Jahres am Montagabend gelobt. Neben der baldigen Absenkung der Arbeitslosenrate und der Schaffung rechtsstaatlicher Verhältnisse erklärte er die Corona-Impfung von 60 Prozent der Bevölkerung bis zum Jahresende zu seinem wichtigsten Regierungsziel: „Wir werden keine Zeit verlieren.“ Als „Wunschliste ohne konkreten Plan“, kritisiert derweil die größte Oppositionspartei PDK das Regierungsprogramm.

Verbesserung der Lebensverhältnisse

Als unerschrockener Studentenführer hatte sich Kurti Ende der 90er Jahre einen Namen gemacht – und auch nach seiner Freilassung aus serbischer Haft im Herbst 2000 zunächst ganz auf den außerparlamentarischen Kampf gegen die „Fremdbestimmung“ Kosovos und die von ihm lange offen angestrebte Vereinigung mit Albanien gesetzt. Erstmals trat die VV 2011 bei Parlamentswahlen an – und hat sich auch wegen ihres Kampfs gegen Korruption zur klar stärksten Kraft des seit 2008 unabhängigen Kosovo gemausert.

Im Gegensatz zur ersten Amtszeit, als er vom eigenen Koalitionspartner LDK aus dem Amt gekegelt wurde, ist Solist Kurti bei seiner zweiten Regierungsmission dank der nicht-serbischen Minderheiten weder auf die Altparteien noch auf die von Belgrad gesteuerte Serbische Liste angewiesen.

Doch nicht nur beim zähen Dialog mit Ex-Kriegsgegner Serbien scheinen die Herausforderungen für den kompromisslosen Kurti noch größer als die sehr hohen Erwartungen seiner Anhänger. Bleibt die gelobte Verbesserung der Lebensverhältnisse aus, könnte Kosovos Hoffnungsträger rasch wieder an Glanz verlieren.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Wahlen in Ungarn

Ein Machtwechsel würde Orbans Epigonen im Südosten hart treffen

USA

Das fiel bei Trumps Iran-Rede an die Nation auf