Meinung

Ein schwieriger Gast: Polens Präsident zu Besuch in Deutschland

Der polnische Präsident Nawrocki bringt beim Antrittsbesuch in Berlin erneut Reparationsforderungen in Billionenhöhe vor. Das hilft den gemeinsamen Beziehungen nicht, auf die es derzeit besonders ankommt in Europa. Doch Deutschland steht auch in der Pflicht.

Kanzler Friedrich Merz (r.) empfängt den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki vor dem Kanzleramt in Berlin

Kanzler Friedrich Merz (r.) empfängt den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki vor dem Kanzleramt in Berlin Foto: Ralf Hirschberger/AFP

Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland sind historisch belastet und deswegen politisch heikel. Das Leid, das das Nazi-Regime einst über Polen brachte, ist unvorstellbar. Die Forderung nach deutschen Reparationszahlungen spielt in Polen auch heute noch eine große Rolle. Erst recht, seit die rechte PiS-Partei über Jahre hinweg Stimmung gegen Deutschland machte. Nun war am Dienstag Polens Präsident Karol Nawrocki, der der PiS nahesteht, zum Antrittsbesuch in Berlin – und wärmte noch vor Ankunft die Forderung nach einer Zahlung in Höhe von 1,3 Billionen Euro wieder auf. Es kam, wie es kommen musste, denn so lautet die deutsche Antwort seit vielen Jahren: Nein. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz lehnten dies also ab. Dass Nawrocki das Thema aufwarf, mag aus polnischer Perspektive verständlich sein. Seit Jahrzehnten gibt es in Polen ein Gefühl der Ungerechtigkeit, auch wenn vor geraumer Zeit Polens amtierender Premierminister Donald Tusk von der Forderung Abstand genommen hatte und die Bundesregierung auf eine polnische Verzichtserklärung von 1953 verweist.

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