17.47 Uhr „last Order“
Wie Luxemburgs Mosel-Gastronomen mit den neuen Terrassenregeln umgehen
Gerade noch ärgerten sich Gastronomen und Gäste über die Beschränkungen der Öffnungszeiten der Terrassen, da tritt eine neue Regel in Kraft: Außenräume, die auf weniger als drei Seiten offene Flächen haben, gelten nicht als Terrassen. Die Folge: Ab Montag müssen einige Wirte ihre Außengastronomie wieder schließen.
Die Terrasse des „Quai 14“ in Remich
Über Sinn und Unsinn der von der Regierung vorgegebenen Öffnungszeiten für den gastronomischen Terrassenbetrieb diskutieren und ärgern sich Gastronomen und Gäste seit gut zwei Wochen. Unter Einhaltung strenger Vorgaben war der Terrassenbetrieb wieder erlaubt worden, die Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr stießen jedoch auf Unverständnis. Ab Montag gilt zudem eine weitere Regel, die festlegt, was denn überhaupt eine Terrasse ist: nämlich „jeder Außenraum, der auf mindestens drei Flächen offen steht, um die freie Zirkulation der Luft und die natürliche Belüftung des Bereichs zu ermöglichen“. In der Folge müssen einige Wirte erneut ihre Tische zusammenklappen. Was denken Gastronomen und Gäste entlang der mit vielen Terrassenbetrieben gesäumten Luxemburger Mosel darüber?
Maskenpflicht, gebotener Abstand bei den Tischen: Die Gastronomiebetriebe sind allenthalben pflichtbewusst
Drei Tage bestes Frühlingswetter hatten die Meteorologen angekündigt – gute Aussichten also für einen regen Terrassenbetrieb. Wir starten unsere Besichtigungstour am Freitag in der Moselmetropole Grevenmacher. Im Außenbereich des „Bistro Quai“ an der Weinstraße sind bereits viele Tische besetzt. Die Sitzplatzmöglichkeiten haben den vorgeschriebenen Abstand, an den meisten Tischen sitzen zwei Personen, handelt es sich um Familien, sind auch die Kinder mit dabei. Das neue Gesetz gibt hier keinerlei Einschränkungen, der Außenbereich ist nach allen Seiten offen. Das Personal serviert Essen am frühen Nachmittag. „Wir würden natürlich lieber am Abend hier sitzen und etwas essen“, meint Nicolas, der mit seiner Partnerin aus dem benachbarten Mertert hier Platz genommen hat. „Wir halten die Öffnungszeiten für völlig daneben. Wer setzt sich morgens früh auf eine Terrasse? Und am frühen Abend, wenn es erstens sinnvoller und zudem eine willkommene Abwechslung wäre, müssen die Betriebe schließen.“
Öffnungszeiten nicht nachvollziehbar
Auch Winzer Erny Schumacher vom Domaine Schumacher-Lethal in Wormeldingen sowie die benachbarte Genossenschaftskellerei Vinsmoselle erfahren keine Nachteile durch die neue Gesetzesformulierung. Beide Terrassen sind gut besucht. Monique Schumacher ist hocherfreut, wieder Gäste bewirten zu dürfen. „Unsere Terrasse erfüllt die neuen Vorschriften, ein Wermutstropfen sind aber die Öffnungszeiten“, erklärt sie. „Das ist komplett am Kundenbedarf vorbei, die gerne in der Abendsonne noch ein Glas genießen möchten.“
Gut besuchte Terrassen auf der place Dr Fernand Kons in der Moselperle Remich
Am Samstag führt der Weg in die Moselperle Remich. Hier ist der gastronomische Hotspot schlechthin an der Luxemburger Mosel. Schon die Parkplatzsuche gegen 15 Uhr gestaltet sich als äußerst schwierig. Entlang der Esplanade und auf dem großen Parkplatz neben der place Dr Fernand Kons gibt es kaum eine Lücke. Die hier abgestellten Fahrzeuge kommen vorwiegend aus dem benachbarten Saarland, aus Frankreich und aus dem Raum Trier. Hier ist nicht viel weniger los als an einem Sommerwochenende. Auf der Terrasse des „Pavillon Desom“ ist das Platzangebot mit Abstand installiert, die Terrasse nach allen Seiten offen.
Das lukrativere Abendgeschäft geht verloren
Geschäftiges gastronomisches Treiben herrscht in der Stadtmitte auf der place Dr Fernand Kons mit ihren zahllosen Bars, Cafés, Restaurants und Eissalons. Hier lässt man es sich offensichtlich gut gehen bei Eiskaffee, Kuchen oder auch einem Essen aus den Restaurantküchen. Das wohl lukrativere Abendgeschäft mit Diner täte den arg gebeutelten Gastronomen hier schon eher gut. Martin und Christina aus Konz bei Trier sitzen gerade vor einer dampfenden Pizza. „Die würden wir zwar auch gerne erst am Abend genießen, aber wir haben dennoch die Gelegenheit genutzt, mal wieder hierherzukommen“, sagt Martin. „Bei uns in Rheinland-Pfalz darf man ja auch wieder draußen sitzen, muss aber einen tagesaktuellen negativen Covid-19-Test vorlegen. Das ist uns aber zu aufwendig.“
Auch die Terrassen gegenüber den Schiffsanlegern sind gut besucht. Die einzigen Lokalitäten, die mit der neuen Verordnung in Konflikt geraten werden, sind ein paar Restaurants an der Esplanade, die ihre eher kleinen Terrassen zumeist in der ersten Etage und oftmals nur eine offene Seite zur Mosel hin haben. Der Groll über die neuen Vorgaben hält sich also hier in Grenzen, da nur die wenigsten davon betroffen sind.
Wir beenden unsere Besichtigungstour in Wasserbillig, der Mond steht schon über den Weinbergen auf der deutschen Moselseite. Wir fahren noch mal ans Moselufer zum „Café Queens“. Als wir dort eintreffen, hören wir laut vernehmbar: „Leute, last Order!“ Die Gäste, überwiegend Stammkundschaft, schauen auf die Uhr: Es ist 17.47 Uhr! Servicekraft Anita und Wirtin Eva-Maria Karas füllen noch einmal die leeren Gläser. Die Portemonnaies werden gezückt, die Mienen der enttäuschten Gäste verfinstern sich zusehends.
Noch ein letztes Glas im Stehen ...
17.47 Uhr, Kultbistro „Café Queens“ in Wasserbillig: „Nach e leschte Patt!“