SommerserieUnsere Lieblingsorte (16): Wandern mit bester Aussicht auf dem „Autopédestre“ Hoscheid

Sommerserie / Unsere Lieblingsorte (16): Wandern mit bester Aussicht auf dem „Autopédestre“ Hoscheid
Im wahrsten Sinne des Wortes einer der Höhepunkte der Rundwanderroute Hoscheid: der Bergkamm „Molberlee“ Foto: Editpress/Sandra Schmit

Jetzt weiterlesen! !

Für 0,59 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Sie sind bereits Kunde?

In Luxemburg gibt es unzählige Rundwanderwege – einer der schönsten davon ist der „Autopédestre“ Hoscheid im Norden. Wer auf den Wegen durch und rund um das Dörfchen wandert, bekommt nicht nur eine malerische Landschaft geboten, sondern lernt auch eines: Nach jedem Tief geht es wieder bergauf und oft wartet gerade dann die schönste Erfahrung.

Rundwanderwege – in Luxemburg auch als „Autopédestres“ bekannt – haben spätestens seit der Pandemie und dem Lockdown einen Imagewandel im Großherzogtum erlebt: weg vom Bild der spießigen Spaziergänge, die man zurechtgemacht nach dem Familienessen am Sonntag zusammen auf asphaltieren Wegen unternimmt, hin zu „Hikes“, während denen man mit Wanderschuhen und Tourenrucksäcken ausgestattet über Stock und Stein unterwegs ist.  

Und ja, ich gebe zu: Auch ich bin in meiner Freizeit gerne in Luxemburg unterwegs, um ganz nach dem Motto „Vakanz doheem“ auf verschiedenen Rundwanderwegen die Natur zu entdecken und neue Ecken des Großherzogtums kennenzulernen. Im Januar 2020 bin ich dabei auf meinen bisher liebsten „Autopédestre“ gestoßen: Auf die Rundwanderroute Hoscheid, die sich im Norden des Landes durch den „Naturpark Our“ zieht. 

Noch einmal rasten, bevor man sich auf zum letzten Anstieg macht: Von dem zunächst etwas unscheinbar wirkenden Platz aus hat man gegen Ende des Weges erneut eine schöne Aussicht auf die Umgebung
Noch einmal rasten, bevor man sich auf zum letzten Anstieg macht: Von dem zunächst etwas unscheinbar wirkenden Platz aus hat man gegen Ende des Weges erneut eine schöne Aussicht auf die Umgebung Foto: Editpress/Sandra Schmit

Rund 70 Kilometer sind es von Esch/Alzette aus bis zum Ausgangspunkt der Wanderung am Parkplatz in der Nähe des einstigen Rathauses in Hoscheid. Von Luxemburg-Stadt aus sind es 50 und von Ettelbrück aus etwa 15 Kilometer. Meiner Meinung nach lohnt sich allerdings jede Anfahrt für diesen schönen Ausflug in die Natur – und jede Anstrengung. Denn auf dem etwa 12,9 Kilometer langen Rundwanderweg kommt man ins Schwitzen.

Höhen und Tiefen

Im Winter kann der Rundwanderweg auch mal mit schneebedeckten „Koppen“ begeistern
Im Winter kann der Rundwanderweg auch mal mit schneebedeckten „Koppen“ begeistern Foto: Editpress/Sandra Schmit

Los geht es im Dörfchen Hoscheid auf zunächst eher unspektakulärem Wege und leider an einer viel befahrenen Straße entlang. Schnell führt der Pfad allerdings durch den naturbelassenen Wald ins Tal hinab. So weit, so gemütlich. Doch dann folgt der erste und aus meiner Sicht anstrengendste Anstieg: Von 240 Höhenmetern geht es auf einem schattigen Waldweg hinauf auf fast 490 Meter. Dabei können auch schon mal sportliche Menschen – zu denen ich übrigens nicht zähle – aus der Puste kommen.

Das Auf und Ab wird einem auf der Rundwanderroute Hoscheid mehrmals begegnen, sorgt aber auch für die von mir so geschätzte Abwechslung dieses Wanderweges. Wer diesen beispielsweise an einem Wintertag geht, kann auf den Anhöhen in und rund um Hoscheid schon einmal durch Schnee waten, während man unten im „Schlënnertal“ entlang des Baches Schlinder aufs Grüne trifft oder auf braunen Waldwegen wandert. 

Für seine Anstrengungen belohnt, wird man nach etwa fünf Kilometern mit einem wunderbaren Ausblick von dem Bergkamm und Aussichtspunkt „Molberlee“ aus – dem Höhepunkt dieses Rundwanderweges. In dem Augenblick, in dem man sich auf dem mehrheitlich gut ausgeschilderten „Autopédestre“ kurz unsicher ist, ob es in diese Richtung wirklich weitergeht, muss man den Schritt durch das Gestrüpp wagen. Und schon hat man einen Ausblick auf unzählige Waldkronen, die aktuell bereits die gesamte Palette an Herbstfarben abdecken. 

Essen mit Panoramablick

Einen Moment sollte man sich dann Zeit nehmen, um den Panoramablick und die absolute Stille auf der „Molberlee“ zu genießen. Wer will, kann auf der schmalen Bank auf der Anhöhe eine Pause einlegen und sich eingepackte Brote schmecken lassen – im teuersten Restaurant wird man keinen Platz mit einer schöneren Aussicht finden. Aber Achtung: Da es seitlich des schmalen Pfades in die Tiefe geht, sind hier Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Abenteuerlust gefragt. Bei Nässe kann es zudem rutschig werden, deshalb sind festes Schuhwerk und eine Wanderung bei trockenem Wetter ratsam.

Die nächste Pause kann nach einem weiteren Anstieg und ungefähr neun zurückgelegten Kilometern eingelegt werden. Eine unscheinbare Bank lädt hier zum Rasten ein und wer sich hinsetzt, kann sich noch einmal an der tollen Landschaft erfreuen. Danach dürfte man genug Kraft getankt haben, um die letzten rund drei Kilometer einschließlich erneuter Steigung in Angriff zu nehmen. Bevor man am Ende hoffentlich wie ich, etwas müde, aber mit schönen Erinnerungen im Gepäck Hoscheid und den Ausgangspunkt erreicht.

Praktisches: Rundwanderroute Hoscheid

– Startpunkt: Parkplatz am einstigen Rathaus unter der Adresse 3, Lisseneck, L-9377 Hoscheid
– Strecke: etwa 12,9 Kilometer
– Dauer: rund vier Stunden
– Schwierigkeitsgrad: mittelschwer
– Zugänglichkeit: Dieser Weg ist für Menschen mit Kinderwagen oder im Rollstuhl nicht geeignet. Verschiedene Klangstationen des sechs Kilometer langen „Klangwanderweges“ in Hoscheid sind allerdings barrierefrei zugänglich und können möglicherweise eine Alternative sein.
– Abkürzen: Die „Molberlee“ kann von Hoscheid aus am schnellsten über die rue Geisseck erreicht werden. Auch dafür kann man auf dem Parkplatz in der Straße Lisseneck parken und von dort aus dem ausgeschildertem Weg von 1,3 Kilometern zur „Molberlee“ folgen.
– Weitere Informationen gibt es unter visit-eislek.lu sowie unter der Telefonnummer 00352 26 95 05 66.

cazz
12. September 2022 - 9.50

Tjo, muss man schon fast mit dem Auto hin. Züge gibt es je nicht

Verona
11. September 2022 - 22.01

2x70 km Autofahrt um zu Fuß zu gehen?
Aber sonst geht's noch?