Mahnmal

Slowenien enthüllt erstes Denkmal für verstorbene Geflüchtete auf der Balkanroute

Vor zehn Jahren lösten die Menschen, die über den Balkan vor Krieg und Elend flüchteten, eine ungekannte Welle der Hilfsbereitschaft aus. Heute endet die Flucht in das sich abschottende Europa nicht selten mit dem Tod. In Slowenien ist nun das erste Denkmal für die Toten der Balkanroute enthüllt worden.

Denkmal für die Toten auf dem Friedhof der slowenischen Grenzgemeinde Crnomelj (mit einem symbolischen Brückenschlag über den Fluss)

Denkmal für die Toten auf dem Friedhof der slowenischen Grenzgemeinde Crnomelj (mit einem symbolischen Brückenschlag über den Fluss) Foto: SOS-Balkanroute, Oktober 2025, Crnomelj/Slowenien

Wenn die Flucht in das erhoffte bessere Leben mit dessen Verlust endet: Nur noch tot konnten serbische Fischer zu Monatsbeginn den Körper eines gekenterten Grenzgängers aus China aus der Donau bergen. Ende August hatten serbische und bosnische Rettungskräfte gar zehn Leichen von ertrunkenen Flüchtenden aus Syrien und Ägypten aus den Fluten der Drina gefischt – darunter ein Baby und seine Mutter.

Vor einem Jahrzehnt lösten die Bilder von den Menschen, die über den Balkan vor Krieg, Vertreibung und Elend flüchteten, in Europa eine ungekannte Welle der Hilfsbereitschaft aus. Heute führt sie ihre Flucht in das sich abschottende Europa meist in die Hände skrupelloser Schlepperbanden – und nicht selten in den Tod.

Ob in Grenzflüssen ertrunken, auf Autobahnen überfahren, in tiefe Schluchten gestürzt oder in überladenen LKW erstickt: Auf den Friedhöfen der Grenzorte mehren sich in den Anrainerstaaten der Balkanroute die Gräber mit den „N.N. – no name“-Holztafeln für die namenlosen Toten.

Allein in den ex-jugoslawischen Staaten wurden von Flüchtlingsorganisationen bis 2024 669 tote und vermisste Grenzgänger erfasst. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen. In Slowenien ist nun auf dem Friedhof des Dorfes Vojna Vas unweit der kroatischen Grenze das erste Denkmal für die oft namenlosen Toten auf der Balkanroute enthüllt worden.

Stilles Sterben auf der Balkanroute

Das neben Flüchtlingsgräbern errichtete Mahnmal wurde von slowenischen Flüchtlingshelfern initiiert und von der österreichischen Hilfsorganisation „SOS Balkanroute“ finanziert. Der symbolische, ihnen zu Lebzeiten verwehrte Brückenschlag über ein stilisiertes Flussbett soll an die verlorenen Menschenleben bei ihren gescheiterten Grenzübergängen erinnern.

Denn das stille Sterben auf der Balkanroute bleibt oft unbemerkt. Obwohl in Slowenien jedes Jahr mehr Todesfälle von Migranten verzeichnet würden, werde in der Öffentlichkeit „kaum darüber gesprochen“, sagt die an der Universität Ljubljana lehrende Philosophie-Professorin Ursula Lipovec Cebron.

Die namenlosen Toten auf der Balkanroute hätten zu Lebzeiten „keine Brücken überqueren, kein fremdes Land betreten“ können, „sie waren unerwünscht, verfolgt“, so die slowenische Flüchtlingsaktivistin und Denkmalsinitiatorin Nada Simunovic aus Vojna Vas. Besorgt über die zunehmende Ablehnung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschen auf der Flucht zeigte sich bei der Denkmaleinweihung auch Andrej Kavsek, der Bürgermeister der zuständigen Grenzkommune Crnomelj: „Wir können nicht gleichgültig bleiben. Menschen in Not zu helfen, bleibt die höchste zivilisatorische Pflicht.“

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