Radfahrer

„Sécurité routière“ fordert Helmpflicht – ProVelo und Mobilitätsministerium sind dagegen

Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité routière“, fordert die Helmpflicht für Radfahrer. Das Mobilitätsministerium und ProVelo sehen das anders – und betonen: Gute Infrastruktur ist wichtiger.

Die „Sécurité routière“ scheint im Mobilitätsministerium keine Unterstützung für ihre Forderung zu haben

Die „Sécurité routière“ scheint im Mobilitätsministerium keine Unterstützung für ihre Forderung zu haben Foto: Editpress/Tania Feller

Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité routière“

Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité routière“ Foto: Editpress/Tania Feller

Es ist ein Thema, das immer wieder als einfache Lösung für die Sicherheit der Radfahrer angepriesen wird: die Helmpflicht. Erst vergangene Woche hat Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité routière“, sich gegenüber RTL für eine dementsprechende Vorschrift ausgesprochen. „Wir haben sie lange nicht gefordert, weil wir die sanfte Mobilität sponsern wollten. Aber unsere Aufgabe ist es eigentlich, die Sicherheit zu sponsern, und deswegen finden wir, der Helm soll auch beim Fahrradfahrer obligatorisch werden“, sagte Hammelmann.

Das sehen die Radaktivisten von ProVelo allerdings komplett anders. „Wir sind gegen eine offizielle Helmpflicht, aber empfehlen natürlich, dass man einen trägt“, sagt Präsidentin Monique Goldschmit am Dienstag dem Tageblatt. Das Tragen des Helmes soll eine persönliche Entscheidung bleiben. Das Thema würde immer wieder aufkommen, weil es wie eine einfache Lösung wirkt. „Doch das ist es nicht“, betont Goldschmit. Denn: Der Helm schütze zwar den Kopf, aber garantiere die Sicherheit des Fahrers nicht. „Bei einem Unfall mit dem Fahrrad bricht man sich zuerst die Hüften, Schultern und Gelenke – diese Verletzungen gehen nicht mit der Helmpflicht zurück“, sagt die Radaktivistin. Dafür seien gute Infrastruktur und gut ausgestattete Fahrräder nötig. Getrennte Radwege bauen, Tempo 30 einführen, Konfliktzonen eliminieren: Diese Maßnahmen seien wesentlich wichtiger für die Sicherheit der Radfahrer als eine Helmpflicht.

ProVelo-Präsidentin Monique Goldschmit

ProVelo-Präsidentin Monique Goldschmit Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Vor allem könne das Einführen einer Helmpflicht auch negative Effekte haben. In Ländern, in denen diese Vorschrift eingeführt wurde, seien wesentlich weniger Menschen mit dem Fahrrad gefahren. Laut der europäischen Radfahrer-Vereinigung „European Cyclists’ Federation“ (ECF) habe die Einführung von Helmpflichten in Australien nicht zu einem signifikanten Rückgang von Kopfverletzungen geführt – wohl aber zu einem deutlichen Einbruch bei der Zahl der Radfahrenden. Seit der Einführung entsprechender Gesetze ist die Fahrradnutzung in allen australischen Bundesstaaten stark zurückgegangen. Zwischen 1985/86 und 2011 sank der Anteil der Radfahrenden um 37,5 Prozent. In Neuseeland fiel der Rückgang noch drastischer aus: Dort fuhren seit 1989/90 rund 55 Prozent weniger Menschen Fahrrad.

Ministerium gegen Helmpflicht

„Es ist unbestritten, dass ein gut sitzender Fahrradhelm im Falle eines Unfalls die Schwere von Kopfverletzungen verringern kann.“ Das schreibt das Mobilitätsministerium auf eine Tageblatt-Anfrage. Doch Zahlen aus einer Umfrage von 2023 würden zeigen: Die Luxemburger sind sich dessen auch ohne gesetzliche Vorschrift bewusst. So würden 100 Prozent der Grundschulkinder „immer“ oder „meistens“ einen Helm tragen. In anderen Altersgruppen liege der Wert bei rund 70 Prozent.

Zwar empfiehlt das Mobilitätsministerium das Tragen eines Fahrradhelms, eine gesetzliche Pflicht soll es aber nicht geben. Auch das Ministerium bestätigt: In Ländern mit Helmpflicht ist die Zahl der Radfahrenden zurückgegangen. Damit würden auch die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens zurückgehen, die laut Ministerium das Risiko durch potenzielle Verletzungen „bei Weitem“ überwiegen.

In den Niederlanden sei der Anteil der Helmträger mit nur drei Prozent – inklusive Kinder – extrem niedrig. Gleichzeitig verzeichnet das Land die wenigsten verletzten Radfahrenden pro Personenkilometer. Das zeigt laut Ministerium: Entscheidend ist nicht der Helm, sondern eine sichere Infrastruktur. „Wir wollen gemeinsam zur Verkehrssicherheit der Radfahrenden beitragen – der Staat und die Gemeinden durch den Ausbau sicherer Radwege, und die Radfahrenden durch einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Helm“, heißt es im Antwortschreiben.

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