Arbeiten in Schlussphase

Radweg zwischen Esch und Belval wird Anfang Dezember eingeweiht

Sie wird ein gutes Stück teurer als geplant, aber immerhin liegt sie im Zeitplan: Die direkte Verbindung zwischen Esch und Belval soll Anfang Dezember eingeweiht werden. Für 47,5 Millionen Euro entsteht die längste Radbrücke Europas. 

So sah die Baustelle vor einer Woche aus. Mit Hochdruck wird auf die Eröffnung Anfang Dezember hingearbeitet. 

So sah die Baustelle vor einer Woche aus. Mit Hochdruck wird auf die Eröffnung Anfang Dezember hingearbeitet.  Foto: Editpress/Tania Feller

Die Arbeiten liegen im Zeitplan und werden demnächst abgeschlossen, sodass es ab Dezember endlich eine direkte Verbindung für die sanfte Mobilität zwischen Esch und Belval geben wird. Die offizielle Einweihung ist bereits Anfang des Monats geplant, wie das Mobilitätsministerium dem Tageblatt auf Nachfrage bestätigte.

So wird die Brücke aussehen

So wird die Brücke aussehen Grafik: MMTP

Endlich, weil der Rad- und Fußgängerweg im Grunde genommen rund 15 Jahre zu spät kommt. 2005 wurde in Belval die Rockhal eröffnet. Gleichzeitig kamen mit dem „Centre Gabriel Lippmann“ die ersten Forscher im zukünftigen Universitätsviertel an. 2008 öffnete das Einkaufszentrum Belval Plaza1 seine Türen und 2009 zogen die ersten Bewohner in Belval-Nord ein. Und vor allem fanden 2011 die ersten Vorlesungen an der Universität statt. All das, ohne dass eine direkte Verbindung zwischen dem neuen Stadtviertel und dem „alten“ Esch existierte. Auch ein Grund, dass sich Belval, völlig losgelöst von Esch oder Sassenheim, auf deren Gemeindegebiet es liegt, quasi als Satellitenstadt entwickelte. 

Pläne gab es einige, u.a. brachte der damalige Escher Schöffe Jean Tonnar (LSAP) eine Seilbahn ins Gespräch. Doch erst als sich das Mobilitätsministerium der Sache annahm, kam Bewegung ins Dossier. Und so konnte im Juni 2021 der erste Spatenstich zur längsten Radbrücke Europas erfolgen. 39 Millionen Euro sollte das Projekt kosten, bei der Vorstellung war noch von 36 Millionen die Rede gewesen. 1,9 km lang würde der Rad- und Fußweg werden, von der Bessemerstraße in Esch an den Losch-Garagen in Richtung Eisenbahnschienen bis zur Gebläsehalle in Belval führend. Da die Trasse nicht durch das Werksgelände von ArcelorMittal führen konnte, entstand die Idee einer Brücke. Die wird 1,2 km lang, ist 4,5 Meter breit und verläuft in einer Höhe von 7,5 Metern. Es gibt jeweils zwei Zugangsrampen, eine für Fußgänger und eine für Radfahrer.

47,5 Millionen Euro

Nun wird das Projekt um rund ein Drittel teurer, weshalb Minister François Bausch („déi gréng“) Anfang Oktober ein Finanzierungsgesetz im Parlament einbringen musste. Dies, weil Investitionen des Staates über 40 Millionen Euro von der Chamber verabschiedet werden müssen. „Nicht vorhersehbare geologische Gegebenheiten“ seien in erster Linie für die gestiegenen Kosten verantwortlich, heißt es aus dem Ministerium. U.a. mussten die Fundamente der Brücke erhöht werden. Dazu kommen die seit Corona üblichen Kostenexplosionen bei Bauvorhaben. Das bedingt, dass sich die Gesamtausgaben auf 47,5 Millionen Euro belaufen werden.  

Die Radverbindung soll Teil des PC 8 werden, der momentan auf der anderen Seite der Gleise in Richtung Belval und Beles verläuft und dort abrupt endet. Interessant ist dann auch die Frage nach der Anbindung an die existierende Fahrradinfrastruktur. In Belval fehlt eine solche komplett. Im Interview mit dem Tageblatt hatte Landesplanungsminister Claude Turmes („déi gréng“) vergangene Woche angekündigt, dass dort ein neues Verkehrskonzept ausgearbeitet werde. Ein neues Mobilitätskonzept hat auch Bürgermeister Georges Mischo (CSV) für Esch angekündigt. Ihre Hausaufgaben scheint die Stadt derweil nicht gemacht zu haben. Von einer möglichst direkten Verknüpfung des neuen Wegs mit dem existierenden Radwegenetz und demnach mit dem Stadtkern fehlt momentan am Start- und Endpunkt in der Bessemerstraße jede Spur. Und bis Anfang Dezember ist es nicht mehr lange. 

Der Streckenverlauf

Der Streckenverlauf MMTP/Google

Die Stadt Esch reagiert

Nach Publikation dieses Artikels in der Print-Version des Tageblatt reagierte die Stadt Esch und präzisierte, dass sie sehr wohl ihre Hausaufgaben mache und die Anbindung an das Zentrum in Vorbereitung ist. Wörtlich schreibt sie: „Die Straßenbauverwaltung (zur Erinnerung: als alleiniger Bauherr) hat sowohl bereits den Übergang am Boulevard Prince Henri, wie auch den Anschluss an die Bessemerstraße hergestellt. In einer provisorischen Übergangsphase wird die Radverbindung effektiv via Bessemerstraße an das Escher Radwegenetz angebunden. In Absprache mit der Straßenbauverwaltung wird die Stadt Esch vor Inbetriebnahme der Brücke entsprechende Markierungs- sowie Signalisierungsarbeiten tätigen. Gleiches gilt für das Viertel Universitéit, wo die provisorischen Verbindungen ebenfalls entsprechend signalisiert resp. markiert werden.
Für den definitiven Anschluss an das Escher Stadtzentrum via die Rue Victor Hugo resp. rue du Canal muss der Boulevard Prince Henri (zur Erinnerung, dass es sich hier um eine Staatsstrasse, die N31, handelt) noch entsprechend von der Straßenbauverwaltung umgebaut werden. Die mittlere Insel sowie 16 Bäume im Randbereich werden hierzu entfernt. Das Projekt befindet sich seitens der Straßenbauverwaltung auf dem Instanzenweg und die Ausschreibung der Arbeiten wird voraussichtlich 2023 veröffentlicht. Sämtliche nötigen Verkehrsreglemente, u.a. auch der Fahrradbrücke als PC8, standen übrigens auf der Tagesordnung des letzten Escher Gemeinderates.“

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Für ein breiteres Publikum

Contern ist jetzt live

Buchsbaumzünsler

Wie man gegen die Raupenplage vorgeht

;