Radinfrastrukturen
Problem erkannt, Lösung bekannt: Für „Méco“ ist es Zeit zum Handeln
Im Sommer hatte das „Mouvement écologique“ (Méco) eine Video- und Fotoaktion zur Verbesserung der Radinfrastruktur im Land gestartet. Die Ergebnisse der rund 300 Einsendungen wurden nun in einer interaktiven Karte publiziert. Die soll den betroffenen Gemeinden helfen, die Probleme zu erfassen und auch zu lösen.
Vorfahrt Rad: Die Méco-Veranstaltung „Alles op de Vëlo Spezial“ fand beachtlichen Anklang. Ziel ist die Verbesserung der Radinfrastruktur in Luxemburg. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Wegen Corona musste das zur Tradition gewordene „Alles op de Vëlo am Mamerdall“ 2020 in einer anderen Form stattfinden. Da man wegen der Pandemie nicht wie jedes Jahr die Radfahrer auf der für den Autoverkehr gesperrten Strecke zwischen Mersch und Mamer versammeln konnte, rief „Méco“ die Radfreunde dazu auf, das Zweirad an diesem Tag dennoch zu benutzen und anschließend Fotos von den schönsten Plätzen des Landes einzuschicken. Dieses Unterfangen reihte sich in die über den gesamten Sommer laufende Videoaktion ein, in der es um Verbesserungen des Radwegenetzes ging. Hier wurden die Radler gebeten, kurze Videos zu machen und mit ein paar Worten zu beschreiben.
Auf www.meco.lu gibt es eine interaktive Karte mit den Resultaten der Video- und Fotoaktion des vergangenen Sommers Screenshot: meco.lu
Über 300 Einsendungen hat es gegeben, darunter auch positive Beispiele. Aber natürlich überwiegen die Verbesserungsvorschläge. „Zentrale Schwachstelle ist die Infrastruktur“, fasst der für das Projekt zuständige Cédric Metz zusammen, „es ging immer wieder um Hindernisse auf den Radwegen, um fehlende Beschilderung oder Unterbrechungen im Radwegenetz. Aber auch um den Bodenbelag, um zu hohe Bordsteine oder aber ungeeignete Trassen für z.B. Cargobikes.“ Für Metz ist die Sache klar: „Alles hängt zusammen und unter dem Strich kommt dabei heraus, dass eine schlechte Infrastruktur auch schlechte Sicherheit für den Radfahrer bedeutet.“
Beispielhaft
In die interaktive Karte hat man die Einsendungen der Radfahrer einfließen lassen. Dabei können Videos aufgerufen werden oder die Fotos angeschaut werden. Begleitet ist jeder Punkt von einer kleinen Beschreibung. Die Probleme sind nach Themenbereichen wie Sicherheit oder Beschilderung unterteilt. Wobei sich das „Méco“ darum bemüht, mit der Karte keine Bewertungen vorzunehmen. Man will einfach zeigen, was die Bürger eingesendet haben, und fordert die Gemeinden auf, in eine ähnliche Richtung zu gehen. „Die Aktion ist im Grunde genommen beispielhaft für die Gemeinden“, erklärt Cédric Metz. Beim Méco habe man nicht die Möglichkeit, eine interaktive Karte dauerhaft zu betreuen. Dafür fehle es am nötigen Personal. „Unsere Hoffnung ist groß, dass die Gemeindeverantwortlichen sich das anschauen und dann agieren. Denn der Paradigmenwechsel hin zur sanften Mobilität kommt, alleine schon deshalb, weil er alternativlos ist. Nur ist die Frage, wann es so weit ist“, schließt Cédric Metz.
Das sieht Laure Simon genauso. Sie appelliert, „den Radverkehr endlich ernst zu nehmen.“ „Die Verantwortlichen müssen auch den Mut haben, dem Auto etwas wegzunehmen“, so die Präsidentin der Méco-Sektion „Nordstad“. Sie sieht die Straßen innerhalb der Ortschaften als Lebensraum, wobei die Autos nur zum Besuch kommen. Langfristig gesehen würden alle Menschen davon profitieren, wenn mehr Fahrräder und weniger Autos unterwegs wären. Sie appellierte an alle politischen Verantwortlichen, „die Förderung des Radverkehrs zur obersten Priorität zu erheben und endlich Nägel mit Köpfen zu machen, wobei das Fahrrad als Transportmittel für den Alltag anzusehen ist und nicht als Freizeitaktivität.“ Dementsprechend sollte die Infrastruktur ausgerichtet sein.
Vor allem aus der Hauptstadt und aus Esch kamen viele Verbesserungsvorschläge. Fazit des „Alles op de Vëlo Spezial“ aus Sicht des „Mouvement écologique: „Die Probleme des Radverkehrs sind bekannt. Die Lösungen ebenfalls. Nun ist konsequentes Handeln gefragt.“
Es begann mit einer Fotoaktion Quelle: méco.lu