Kolonialismus
Luxemburgs geleugnete Verantwortung: Ein „Kolonialland ohne Kolonien“
Nach landläufiger Meinung wurden die meisten Kolonien der europäischen Mächte Anfang der 1960er Jahre unabhängig. Aber viele Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse bestehen noch heute. Die Folgen der Kolonialzeit wirken bis in die Gegenwart nach. Das gilt auch für das „Kolonialland“ Luxemburg, das sich aktiv am Kolonialismus vor allem in Belgisch-Kongo beteiligte und von ihm profitierte. Der Historiker Yves Schmitz hat eine gelungene und sehr hilfreiche Einführung in das Thema geschrieben.
Relikte und Spuren des kolonialen Erbes: vor der „Pharmacie des Maures“ in der Hauptstadt Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Koloniale Beziehungen sind nicht verschwunden. Vielmehr ist der Kolonialismus nach wie vor aktuell. Seine Bilanz ist verheerend. Die jahrhundertelange europäische Fremdherrschaft in der Welt hat zu instabilen Regierungen, wirtschaftlichen Krisen, Armut, Hunger und Kriegen in etlichen Ländern bis hin zu Genoziden geführt. Sie sind direkte oder indirekte Folgen des Kolonialismus. Zwar sind heute nahezu alle ehemaligen Überseegebiete souveräne Staaten, aber das Erbe der Kolonialzeit wiegt schwer.