EU-Tabaksteuer
Kosten Zigaretten in Luxemburg bald auch 10 Euro pro Schachtel?
Zigaretten könnten in Luxemburg bald deutlich teurer werden – zumindest, wenn es nach der EU-Kommission geht. Brüssel plant eine umfassende Reform der Tabakbesteuerung.
Wird die Sucht in Luxemburg bald teurer? Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi
Ab 2040 sollen alle Kinder rauchfrei aufwachsen können – so zumindest das ambitionierte Ziel der EU-Kommission. Das geht aus einem internen Arbeitspapier hervor, welches dem Tageblatt vorliegt. Tabak ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in der EU. Der Vorschlag sieht unter anderem vor, die Mindeststeuer für Zigaretten in der EU von derzeit 90 auf 215 Euro pro 1.000 Stück zu erhöhen. Das wäre ein Plus von 139 Prozent. Für Feinschnitttabak soll die Steuer sogar um 258 Prozent steigen. Damit sollen insbesondere Jugendliche vom Rauchen abgehalten werden. Pikantes Detail: Der Vorschlag koppelt die finale Höhe der Steuer an die Kaufkraft der Bürger des Landes.
Für Luxemburgs Staatshaushalt hätte das gravierende Folgen. Derzeit zählt das Land zu den günstigsten Tabakländern der EU. Eine Zigarettenpackung kostet hier rund 6 Euro. Zum Vergleich: In Frankreich liegen die Preise für eine 20er-Packung zwischen 11,50 und 13 Euro. Die Preisdifferenz lockt seit Jahren Käufer aus der Großregion an. Der sogenannte Tabaktourismus zahlt sich aus: 2023 nahm der Staat mehr als 1,3 Milliarden Euro durch Tabaksteuern und Mehrwertsteuer ein. Das entsprach rund fünf Prozent der Gesamteinnahmen – mehr als die „Taxe d’abonnement“ der Luxemburger Fondsindustrie im selben Jahr abwarf. Die Zollverwaltung rechnet mit Einnahmen durch den Tabakverkauf von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Steuerpolitik mit angezogener Handbremse
Trotz wiederholter Warnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO vor niedrigen Tabaksteuern erhöht Luxemburg die Abgaben bislang nur in kleinen Schritten. Zum 1. Januar 2024 stieg der Preis für eine Packung Zigaretten um zehn Cent, 2025 haben die Preise nochmal leicht angezogen. Auch E-Zigaretten-Liquids und Nikotinbeutel werden neuerdings besteuert – allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gesundheitsorganisationen fordern seit Jahren, Luxemburg solle die Preise deutlich stärker anheben. Doch die Regierung zögert. Finanzminister Gilles Roth (CSV) nannte die Tabakeinnahmen 2024 in einem 100,7-Interview „unverzichtbar“ für den Haushalt.
Die geplante EU-Reform soll nicht nur klassische Zigaretten betreffen, sondern auch neuartige Produkte einbeziehen. Bislang gelten in vielen Mitgliedstaaten unterschiedliche Regeln. Die Kommission argumentiert, einheitlich hohe Mindeststeuern könnten sowohl den Gesundheits- als auch den Finanzzielen der EU dienen. Der Tabakkonsum soll bis 2040 drastisch gesenkt werden. Aktuell sterben laut Kommission jährlich rund 700.000 Menschen in der EU an den Folgen des Rauchens. In Luxemburg ist Lungenkrebs bei Männern die häufigste Krebsform.
Ob die Reform kommt, ist offen. Sie muss von allen 27 Mitgliedstaaten einstimmig beschlossen werden. Frankreich, Spanien, Deutschland und die Niederlande gehören zu den treibenden Kräften. Andere Länder, etwa Griechenland, Italien oder Bulgarien, befürchten eine Zunahme des Schmuggels. Das europäische Nachrichtenportal Euractiv rechnet für Luxemburg mit einem Preisanstieg von rund 3,50 Euro pro Packung – das wäre ein Plus von 60 Prozent. Damit würden die Zigarettenpreise in Luxemburg dann auch zweistellig werden.