Sanem/Metzerlach
Kein Gott, kein Leben: Warum die entweihte Kirche seit fünf Jahren im Dornröschenschlaf liegt
Im Mai 2020 wird Gott vertrieben. Mit 15 von 17 Stimmen beschließt der von LSAP und CSV geführte Gemeinderat Sanem die Entweihung der Kirche in Metzerlach. Fortan soll sie zivilen Zeremonien dienen. Bis heute bleiben die Erwartungen unerfüllt. Offensichtlich wird man noch länger auf die Auferstehung des Lebens warten müssen.
Über Ästhetik mag man streiten, architektonisch und historisch gesehen hat die ehemalige Kirche in Metzerlach es jedenfalls verdient, als nationales Kulturerbe geschützt zu werden Foto: Editpress/Julien Garroy
Historische, architektonische und ästhetische Gründe sprechen für den Erhalt der entweihten Kirche des „Auferstandenen Christus“ in Metzerlach als nationales Kulturerbe. Dass sie immer nocht nicht, wie vor fünf Jahren vorgesehen, für weltliche Veranstaltungen zur Verfügung steht, sei für niemanden erfreulich, betont Bürgermeisterin Simone Asselborn-Bintz (LSAP).
Die Verzögerungen hätten ihren Ursprung in der Klassierung des Gebäudes als nationales Kulturerbe. Der Initiative des Kulturministeriums habe man 2021 im Gemeinderat zugestimmt, wohl auch im Hinblick auf höhere staatliche Unterstützung. Dass die damit verbundenen Prozeduren und Analysen so viel Zeit in Anspruch nehmen würden, habe damals wohl niemand wirklich bedacht. Die Bürgermeisterin spricht auch von „lenteur administrative“. Die Klassierung bedeute zudem, dass die Gemeinde wohl Besitzerin des Gebäudes bleibe, aber nicht mehr frei darüber verfügen dürfe.
Immerhin werden die notwendigen Vorbereitungen, wie zum Beispiel eine statische Untersuchung oder die Analyse des Betons, vollständig vom INPA (nationales Institut für das architektonische Erbe), also dem Staat, finanziert. Die eigentlichen Instandsetzungsarbeiten werden später immerhin noch zur Hälfte bezuschusst.
Laut Simone Asselborn-Bintz scheinen im Prinzip nun alle Voraussetzungen geschaffen, um loszulegen. Was da genau auf die Gemeinde zukomme, stehe in einem vor wenigen Tagen zugeschickten Bericht, der aktuell ausgewertet werde. Ein Treffen mit dem INPA solle danach Klarheit über die nächsten Schritte bringen – aber auch das werde Zeit brauchen. Viel Einfluss könne man darauf nicht nehmen, so die Bürgermeisterin.
Kein einfacher Prozess
Dass die Klassierung eines Gebäudes kein einfacher Prozess ist, wird im Gespräch mit Elisabeth Koltz vom INPA deutlich. Eine Klassierung bringe neue Parameter und eine andere Herangehensweise mit sich. Die Kirche in Metzerlach steht seit 2022 unter Schutz, und erst ab diesem Zeitpunkt sei das INPA aktiv geworden.
„Wir befinden uns noch in der Phase der Untersuchungen“, erklärt Koltz. Das bedeutet, dass die Kirche als „bâtiment d’utilité publique“ – gemeinnütziges Gebäude – gründlich geprüft und mit allen relevanten Vorschriften und Gesetzen in Einklang gebracht werden muss.
Mit den Analysen sei im vergangenen Jahr begonnen worden, und erste Ergebnisse hätten Schwachstellen aufgezeigt: Der Beton des Gebäudes sei nicht überall in gutem Zustand, und auch das Dach weise Mängel auf. Nach Abschluss der Untersuchungen werde man in einer zweiten Phase gemeinsam mit der Gemeinde entscheiden, welche Maßnahmen notwendig seien. Schnelle Fortschritte dürfe man jedoch nicht erwarten. Koltz versteht, dass der Prozess langwierig erscheint, betont aber, wie wichtig es sei, genau zu analysieren, was dem Gebäude fehle und welche Schritte nötig seien, um es nachhaltig instand zu setzen. Besonders bei Betonbauten wie der Kirche in Metzerlach gestalte sich das oft kompliziert. „Am Ende geht es ja auch um die Sicherheit der Besucher“, betont Koltz.
„Tiefe schwarze Schublade“
Auch Oppositionsrat Serge Faber („déi gréng“) bedauert die Situation. Seit ewig fehle es der Gemeinde an einem kleinen, gemütlichen Saal für zivile Zeremonien oder kleinere kulturelle Veranstaltungen. Deshalb hätten „déi gréng Sanem“ auch der Entweihung und der zukünftigen weltlichen Nutzung der Kirche zugestimmt. Wunsch sei es gewesen, dass dies zeitnah passieren solle. Wenig verständlich und eigentlich traurig sei es, dass bisher aber nicht sehr viel geschehen sei und das Dossier „beim INPA in einer tiefen, schwarzen Schublade verschwunden zu sein schien“.
Auch wenn das Dossier nicht vergessen ist, wird sich die Hoffnung von „déi gréng“, dem Gemeinderat sowie vielen Bürgern in Sanem sobald noch nicht erfüllen. Nämlich, dass der Entweihung endlich eine Einweihung folgt.
Die 1969 gebaute Kirche in Metzerlach ist übrigens auch ein Punkt der Gemeinderatssitzung am 17. Januar.