E Bléck duerch d’Lëns
Im Visier des Nationalsozialismus – Sinti, Roma und Jenische
Die Verfolgung von Sinti, Roma und Jenischen im besetzten Luxemburg zählt zu den unbeachteten Schicksalen der NS-Zeit. Das Escher Resistenzmuseum hat sich im Rahmen der Ausstellung „Vergessene Opfer des NS-Regimes in Luxemburg“ mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte auseinandergesetzt.
Karteikarte der als „Zigeunerin“ klassifizierten Luxemburgerin Anna Kreiz Foto: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Mit dem Ziel, den deutschen „Volkskörper“ vor „rassisch Minderwertigen“ zu „säubern“, gerieten Sinti, Roma und Jenische nach der Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland zunehmend ins Visier der (sozial)rassistischen Politik der Nationalsozialisten. Dabei wurde zwischen „Zigeunern“ und „nach Zigeunerart lebenden“ Menschen unterschieden. Zu dieser Haltung hatte vor allem die anthropologische und ethnologische Erforschung beigetragen. 1936 wurde unter der Leitung des Rassentheoretikers Robert Ritter die Rassenhygienische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes aufgebaut. Über 23.000 Sinti und Roma wurden erfasst. Auch Jenische wurden von Rassentheoretikern wie Friedrich Stumpfl und seinem Luxemburger Assistenten Armand Mergen untersucht und als „asozial“ und „kriminell“ klassifiziert. Betroffene wurden aus ihren Berufen gedrängt und verloren ihre Lebensgrundlage. Sinti und Roma durften die Städte nicht mehr verlassen und wurden in „Zwangslagern“ festgesetzt. Ab 1940 wurden Sinti und Roma in Deutschland und den besetzten Gebieten in sogenannte „Zigeunerlager“, in Ghettos und Konzentrationslager, deportiert und ermordet. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 250.000 bis 500.000 Sinti und Roma ermordet wurden. Jenische wurden vertrieben, zwangssterilisiert oder in KZ verschleppt. Hunderte überlebten die NS-Diktatur nicht.