Mobilität im Winter

Für saubere Radwege sind die Gemeinden zuständig

Die niedrigen Temperaturen haben unter anderem vereiste Straßen und Wege zur Folge. Salz streuen hilft, Unfälle zu vermeiden. Das Problem besteht im fahrradbegeisterten Luxemburg nicht nur auf Straßen und Fußgängerbereichen, sondern auch auf Radwegen.

Ein winterlicher Radweg auf Kirchberg

Ein winterlicher Radweg auf Kirchberg Foto: Jérôme Quiqueret

Glaubt man den Wettervorhersagen, werden die niedrigen Temperaturen wohl noch ein paar Tage anhalten. Damit verbundene Unannehmlichkeiten sind vereiste Straßen und auch Radwege. Einer Umfrage zufolge waren 52 Prozent der Luxemburger im vorigen Jahr mindestens einmal mit dem Drahtesel unterwegs. Die Corona-Krise hat zu einem neuen „Rad-Boom“ geführt. Das aktuelle Wetter ist zwar kein Fahrradwetter, aber die Unermüdlichsten steigen trotzdem aufs Rad. Während die Straßenbauverwaltung oder die Gemeinden auf den Straßen streuen und die jeweiligen Anwohner für die Bürgersteige zuständig sind, fragen sich Radfahrer, wer denn eigentlich die „pistes cyclables“ von Schnee oder Eis befreit oder, besser, wer sie reinigen sollte.

Allgemein gelte, dass die Reinigung eines Radweges der jeweiligen Gemeinde unterliegt, durch die er führt, erklärt Christophe Reuter vom Mobilitätsministerium, und das ganz unabhängig davon, ob es eine nationale Piste ist oder nicht. Das Problem stelle sich hierzulande vor allem im Herbst, wenn es darum geht, die Strecken vom abgefallenen Laub zu befreien. Falls aber Schlaglöcher zu reparieren sind, sei das die Aufgabe der „Ponts et chaussées“.

Falls die Gemeinde ihrer Reinigungspflicht nicht nachkommt, könnte die Verwaltung auf eigene Initiative intervenieren und die Arbeiten der jeweiligen Gemeinde in Rechnung stellen. „Theoretisch“, betont Reuter. In der Praxis würde die Gemeinde ganz einfach darauf hingewiesen, dass dieser oder jener Weg zu säubern sei. Probleme gäbe es deshalb praktisch nicht.

Es gäbe aber auch eine Ausnahme, wo nicht die Gemeinde den Unterhalt macht, und das sei auf Kirchberg. Der Fonds Kirchberg kümmert sich laut Reuter selbst um die Radwege, die durch das Viertel führen. Dem Foto eines Tageblatt-Mitarbeiters zufolge (siehe oben) ist das jedoch nicht immer der Fall.

Unbeliebter Mischverkehr

Da es hierzulande aber auch noch Orte gibt, wo Fahrradwege über den Bürgersteig verlaufen, seien im Prinzip die Anwohner dafür verantwortlich, dass der Weg schnee- und eisfrei ist. „Nicht weil es ein Fahrradweg ist, sondern ganz einfach, weil das Gesetz es so vorschreibt“, sagt Reuter.

„Wir wollen aber ganz klar weg von dem Konzept, dass man einen Radweg einfach mittels eines Schildes auf Bürgersteigen markiert.“ Diese Situation nerve sowohl die Radfahrer als auch die Fußgänger. „Seit sechs Jahren führen wir alle drei Jahre, vor kurzem zum dritten Mal, eine Umfrage durch, was Fußgänger und Radfahrer sich bezüglich Fahrradwegen wünschen und was sie stört. Ganz oben auf der Liste der Beanstandungen steht bei allen Befragten der Mischverkehr“, sagt Reuter. „Und das, obwohl die Statistik eindeutig ist: Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern sind sehr, sehr selten.“ Reuter hat dafür eine simple Erklärung: „Beide sind von der Situation, wie sie zum Beispiel im hauptstädtischen Park besteht, wo sich beide Gruppen den gleichen Weg teilen, genervt und passen auch deshalb höllisch auf.“ Trotzdem: Das Ziel des Mobilitätsministeriums seien ausschließlich Radwege, die klar von den anderen Verkehrsteilnehmern getrennt sind.

Was nun die Sicherheit der Fahrräder im Winter betreffe, so gibt es keine Winterreifenpflicht wie bei den Autos. Was bei einem Rad Pflicht ist, unabhängig von der Jahreszeit, vom „Code de la route“ festgelegt. Das sind laut einem Merkblatt der „Sécurité routière“ eine laute Klingel, zwei unabhängige Bremsen, vorne ein weißes oder gelbes Licht, mindestens zwei Speichenrückstrahler pro Rad oder durchgehender reflektierender Streifen an den Reifen, Reflektoren an den Pedalen, roter Rückstrahler und ein rotes Rücklicht.*

Beleuchtete Strecken könnten vor allem nachts zur Sicherheit beitragen. In Luxemburg allerdings beleuchte der Staat keine Radwege, sagt Reuter. Auch das sei hierzulande den Gemeinden überlassen. Es sei aber keine sehr ökologische Sache, fügt er hinzu. Eine Ausnahme sei die „Vëlospasserelle“ unter der Adolphe-Brücke.

Apropos Fahrradbrücke: Die Fertigstellung der geplanten „Passerelle“ zwischen Belval und dem Zentrum von Esch/Alzette ist für Ende 2022 geplant. Laut Christoph Reuter soll im kommenden Juni mit dem Bau begonnen werden. Das Ziel, die Brücke bis zum Event „Esch 2022“ fertig zu haben, sei aber etwas optimistisch, fügt er hinzu. Die Brücke ist Teil des „Vëloexpresswee“ zwischen Esch und der Hauptstadt. Die Kosten wurden mit 36 Millionen Euro veranschlagt.

Die neue Brücke wird dann den Rekord brechen, den die Niederlande vor einer Woche angekündigt haben. Mit der 800 Meter langen „Pieter-Smit-Brug“, die Winschoten mit Blauwestad (Provinz Groningen), verbindet, besitzen sie momentan die längste Fahrradbrücke Europas. Die Escher „Vëlospasserelle“ wird 1,2 Kilometer lang und damit die längste Europas werden. Damit wird sie knapp kürzer sein als die längste Nordamerikas: Die misst 1.288 Meter.

 * Am Mountainbike kann das weiße Licht vorne bzw. das rote Rücklicht durch einen weißen bzw. roten Reflektor ersetzt werden, wenn man nur tagsüber fährt. Die Straßenverkehrsordnung sieht allerdings vor, dass bei schlechten Witterungsbedingungen sowie nachts die Beleuchtungseinrichtung komplett sein muss.

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