WetterEs wird wieder wärmer, allerdings mit steigender Schauer- und Gewitterneigung

Wetter / Es wird wieder wärmer, allerdings mit steigender Schauer- und Gewitterneigung
 Foto: Edipress/Julien Garroy

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Es gibt gute Nachrichten: Die kühle nordwestliche Strömung wird unterbrochen, es wird wieder wärmer. Der Regen bleibt uns aber immer noch nicht fern.

In den Nächten kam es zu Bodenfrost, ist das normal?

In den letzten sieben Tagen hatten wir es mit einer unterdurchschnittlichen Wetterlage zu tun. Diese war auf eine nordwestliche Strömung zurückzuführen, die durch ein Azorenhoch sowie auch ein Tiefdruckkomplex über den skandinavischen Ländern zustande kam. Nicht nur tagsüber spürte man, dass es deutlich kälter war, sondern vor allem in den Nächten. Besonders in der Nacht vom vergangenen Freitag auf den Samstag sowie in der Nacht zum Dienstag und Mittwoch fielen die niedrigsten Temperaturen auf zwischen 1 und 3°C. Markanter fielen die direkten Bodentemperaturen aus (gemessen in 5 cm Höhe): Am Mittwochmorgen wurde an der Wetterstation in Bavigne, betrieben von Kachelmannwetter, ein Minimalwert von -1,2°C gemessen – sehr ungewöhnlich für einen 12. Juni und vielleicht sogar der niedrigste Wert seit langer Zeit.

Auch wenn dadurch Stimmen laut werden, dass das Jahr 2024 bisher temperaturtechnisch „für die Katz“ war, stimmt das nicht so wirklich. Von Januar bis Mai hatten wir drei von fünf Monaten, die leicht bis deutlich überdurchschnittlich waren. Der einzig neutrale Monat war der Januar, der April fiel nur um -0,1°C „zu kühl“ aus. Es ist allerdings naheliegend, dass der überdurchschnittliche Regen zu diesem Eindruck beiträgt – doch rein statistisch gesehen muss man zwischen Niederschlägen und Temperaturen klar unterscheiden.

Warum startete der meteorologische Sommer bisher so zurückhaltend? Es kommt eben vor. Klimawandel bedeutet nicht, dass es immer überall zu warm ist. Viel mehr bedeutet es, dass es unter anderem auch zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten zu ungewöhnlichen Verhältnissen wie beispielsweise Kältevorschüben kommt. Die vergleichsweise kurzen Kältephasen, die wir bisher hatten, haben keinen großen Einfluss auf die längerfristige Statistik. Daher ist es wichtig, sich über den Unterschied zwischen Wetter und Klima bewusst zu sein. So wie sich der meteorologische Sommer derzeit verhält, ist weitaus normaler als die viel zu hohen Temperaturen, die wir in den letzten Jahren schon viel zu früh (teilweise schon im April und Mai) beobachten konnten.

Strömung dreht auf Südwest: Chancen auf Sommerwetter steigen

Durch die nordwestliche Strömung, die uns in den letzten Tagen im Griff hatte, hatten die sommerlichen Luftmassen, die über dem Mittelmeerraum liegen, keine Chance, nach Mitteleuropa zu gelangen. Nun soll sich das aber ändern: Über Westeuropa baut sich tiefer Luftdruck auf, während über Teilen des Mittelmeeres sowie auch Osteuropas Hochdruckgebiete positioniert sind. Dieses Muster ergibt eine südwestliche Strömung, die darin resultiert, dass die sommerlichen Luftmassen endlich den Weg nach Norden finden. Hierbei relevant ist allerdings, wie nahe der Tiefdruckeinfluss über Westeuropa dem zentralen Kontinent tatsächlich ist. „Beugt“ sich der Einfluss zu sehr nach Europa rein, dann wird die Wärmezufuhr zu weit nach Osten geschoben, wodurch wir in Luxemburg nicht so wirklich vom Temperaturanstieg profitieren könnten.

In den letzten Läufen der verschiedenen Wettermodelle scheinen wir ziemlich auf der Grenze zwischen sommerlich warmen und nicht so warmen Luftmassen zu landen, Zeitpunkt: ab Montagnachmittag. Schon am Dienstagabend oder in der Nacht zum Mittwoch würde die Wärme bereits wieder nach Osten aus unseren Gegenden vertrieben werden, so der momentane Stand. Wir werden also kurzzeitig am Rand eines „Wärmebergs“ liegen, bevor aus West rasch eine Kaltfront hereinbricht. Bei diesem Prozess treffen also unterschiedliche Luftmassen (feuchtwarm auf kühl) aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen (Süd auf West) aufeinander, was das Risiko von Schauern und vielleicht sogar intensiveren Gewittern ansteigen lässt. Bleiben die Berechnungen bei dieser Meinung, müsste man das Wetterradar am Montag und auch am Dienstag genauer im Auge behalten.

Da wir am Rand dieses Wärmebergs lägen, würde es zwar wärmer werden, doch immer noch nicht hochsommerlich. Derzeit sind für Dienstag Höchstwerte von um 25 Grad nicht ausgeschlossen. Doch verlagert sich die Wärme nur ein Stückchen weiter nach Westen, dann könnten daraus schnell 27 Grad und mehr werden – umgekehrt hätte es natürlich negative Effekte.

Von Wärmeberg zu Wärmeberg?

Mit raschem Abzug dieses Wärmebergs wäre es aber noch nicht vorbei. Seit Tagen geben die Modelle Hinweise darauf, dass sich in der Folgezeit immer wieder neue Wärmevorstöße aufbauen könnten. Der nächste Termin, den man im Auge halten sollte, liegt um den 25. Juni herum.

Sollten wir uns in Zukunft tatsächlich von Wärmeberg zu Wärmeberg schwingen, bliebe das Wetter sehr wechselhaft – doch wenigstens auf einem immer wieder sommerlichen Temperaturniveau. Nebeneffekt davon wären allerdings immer wieder auch Gewitterlagen, die aufgrund der vermutlich hohen Luftfeuchtigkeit auch unwetterartig ausfallen könnten. Bedeutet: Eine länger anhaltende, ruhige und warme Sommerphase ist nicht in Sicht. Dazu bräuchten wir ein großes, beständiges Hoch – was durch das aktuelle Muster der Großwetterlage nicht besonders gut umzusetzen ist.