Rassismus
Eine Selbstverbrennung als Mahnruf
Der öffentliche Suizid von Maggy Delvaux Mufu im Oktober 2004 brachte einen strukturellen Rassismus zum Vorschein, der in Luxemburg zwar längst virulent und an der Tagesordnung war, aber häufig totgeschwiegen wurde. Erst allmählich sensibilisierte sich die Gesellschaft in dieser Hinsicht stärker.
Illustration: Kim Kieffer
Luxemburg, Anfang Oktober 2004. Ein ganz normaler herbstlicher Wochentag im Großherzogtum, so scheint es. Vor dem hauptstädtischen Cercle Cité findet gerade eine Veranstaltung des Mouvement écologique statt. Es ist kurz vor Mittag. Plötzlich übergießt sich eine Frau mit Benzin aus einem Kanister und tritt in den Vordergrund. „Je suis victime de racisme, j’ai mis de l’essence sur moi, je vais m’allumer“ habe sie geschrien, schildert das Tageblatt später die Situation. Die Frau zündet sich an. Eine Stichflamme entsteht, die Frau schreit und läuft brennend umher, bis sie zusammenbricht und sich auf dem Boden hin und her wälzt.